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Nach der Coronakrise kommen die Heerscharen von Besser- und Alleswisser

Christian Wanner
Christian Wanner
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Viele haben das Gefühl, Experte zu sein.

Viele haben das Gefühl, Experte zu sein.

Keystone/EPA CDC/CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND

Die gegenwärtige Krise in unserem Land hat Ausmasse angenommen, wie sie vor einigen Monaten noch kaum für möglich gehalten wurden. Die in Kraft gesetzten Massnahmen sind einschneidend und für viele Betroffenen kaum erträglich. Ich wage es nicht und fühle mich auch nicht kompetent, diese und vor allem ihre Auswirkungen schlüssig zu beurteilen. Eines aber ist sicher, der Bundesrat hat rasch und kompetent auch sehr unangenehme Beschlüsse gefasst. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.
Wie nicht anders zu erwarten war, treten nun, nachdem sich die Lage etwas zu beruhigen scheint, ganze Heerscharen von Besser- und Alleswissern zu Tage. Auch gewisse Damen und Herren Parlamentarier seien davon nicht ausgenommen.

Da erinnere ich mich jeweils an eine Redewendung meines Grossvaters, der in solchen Fällen meinte: Es ist gut, Götti zu sein, wenn das Kind getauft ist. Ich habe im Übrigen gar nicht gewusst wie viele Virologen und Epidemiologen wir in der Schweiz und darüber hinaus haben. Dass wir zu viele Politologen haben, war mit allerdings schon länger bekannt. Wie dem auch sei, nichts gegen diese Leute, die sicher mit gutem Gewissen und der gebotenen wissenschaftlichen Redlichkeit ihre Auffassungen vertreten. Dass im Zuge davon nun vermehrt Quacksalber und andere Heilsbringer ihre Theorien und ihre Heilmittel an die Frau respektive an den Mann zu bringen versuchen, durfte auch erwartet werden. Solches ist auch nicht neu, sondern bereits bei Gotthelf nachzulesen. Damals waren es die Pocken oder die spitzen Blattern, unter denen die Leute litten. Bald einmal werden sich auch noch Sektierer und andere mehr, zum Worte melden und das ganze mehr oder weniger als eine Strafe Gottes darstellen.

Nun, lassen wir die medizinischen und psychologischen Hilfstruppen. Was helfen kann, ist letztlich nur die Wissenschaft, die seriöse Medizin und die Forschung nach Medikamenten und Impfstoffen. Dafür ist auch jenen zu danken, die sich täglich in den Dienst der Sache stellen. Daneben gibt es auch andere Auswüchse, die zu denken geben. Da vertritt ein schweizweit bekannter Investor die Meinung, wenn es grosse Verluste für die Wirtschaft zu verhindern gebe, komme es auf ein paar hundert Tote mehr oder weniger nicht an. Abgesehen von der ethischen Unhaltbarkeit solcher Aussagen kommt es mir vor, wie es ist, wenn Gesunde oder Kranke über die Kosten des Gesundheitswesens diskutieren: Je nach dem, ob man seine Gesundheit wieder erlangen möchte, seine Leiden erträglicher machen oder ob die persönlichen Ansichten in erster Linie geldgetrieben sind. Alles ist möglich, aber man tut gut daran Ross und Reiter rechtzeitig zu erkennen und entsprechend einzuordnen.

Leider ist auch die Postfinance nicht ganz frei von Überlegungen, wie aus der gegenwärtigen Lage Kapital geschlagen werden könnte. Ihr jahrelanges Streben hin zu einer Universalbank sollte nun endlich Früchte tragen. Dabei besteht nicht das geringste Bedürfnis nach einer weiteren Staatsbank. Es ist auch nicht Aufgabe der Post, solche Institute zu führen und zu besitzen. Abgesehen von den Grossbanken haben wir ein dichtes und funktionierendes Netz von Kantonal-und Regionalbanken. Man wird mir entgegenhalten, das sei heute nicht mehr so und die Postfinance sei ein selbstständiges Institut. In der Theorie mag das stimmen. Aber wenn Schwierigkeiten auftreten, ist es immer der Hauptaktionär – in diesem Falle der Bund – der geradestehen muss. Es ist zu hoffen, dass spätestens der Ständerat diesen Ansinnen ein Ende bereiten wird. Kommt dazu, dass zur Zeit andere Dringlichkeiten bestehen als die eben angeführten.

Christian Wanner, früherer FDP-Regierungsrat, Messen.