Kommentar
Mit freiem Sinn

Die Solothurner FDP setzt entschlossen auf die Karte Mitgliedschaft. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die meisten Organisationen mit dem Phänomen Rückzug ins Private und Mitgliederschwund kämpfen.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Ab 2015 gilt nur noch als freisinnig, wer formell seinen Parteibeitritt erklärt und den Mitgliederbeitrag bezahlt. Mit diesem Quasi-Ausschlussverfahren will die FDP klare Verhältnisse schaffen: in ihren Parteifinanzen – vor allem aber in ihren Strukturen.

Es war schon immer schwierig, eine breit abgestützte Volkspartei zu führen, deren Basis sich nur schon Kraft ihres Selbstverständnisses nicht wirklich führen lassen will. Kein Wunder, dass die FDP-Spitze darauf hofft, dass dies künftig bei einer Mitgliederpartei einfacher sein wird. Offensichtlich gibt es aber immer noch etliche Liberale, die sich nicht an die Kandare nehmen lassen werden: Sie wollen weiterhin mit freiem Sinn politisch aktiv sein und werden sich erklärtermassen nicht zur Parteimitgliedschaft durchringen.

Wer draussen bleibt, hat in der FDP aber künftig erst recht nichts mehr zu sagen, denn die Abwesenden sind bekanntlich immer die Dummen. Einer so «entschlackten» neuen FDP blieben lästige Flügelkämpfe erspart, sie könnte dafür umso klarere Positionen einnehmen. Legitimiert durch die «echten» Parteimitglieder wären dann Entscheide möglich, die bisher undenkbar gewesen sind. Zum Beispiel für (rechts-)bürgerliche Wahl-Schulterschlüsse mit der SVP. So hätte sich der Solothurner Freisinn dann vollends von seinen liberalen Wurzeln verabschiedet. Gewinnen könnte die Partei damit kaum alles. Verlieren aber sehr viel.

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