Gastautor
Machen wir’s besser!

Simon Gomm
Drucken
Teilen
Klatschen fürs Pflegepersonal reicht nicht.

Klatschen fürs Pflegepersonal reicht nicht.

Mathias Raeber, VPOD Zentralschweiz

An dieser Stelle möchte ich Sie nicht mit einem weiteren Jahresrückblick langweilen. Nur so viel: Wenn uns dieses Jahr etwas gelehrt haben sollte, dann ist es Ausdauer und vor allem aber Solidarität – und beide werden sie uns in diesem Jahr zur Sicherung zahlreicher Existenzen begleiten. Auch wenn letzterer Begriff zeitweise fast inflationär verwendet und erstaunlicherweise auch von vielen gebraucht wurde, die anstelle dieses Wortes immer dasjenige der Eigenverantwortung bemühen – weil man sich so ganz einfach aller Verantwortung entbinden kann – hat die Solidarität nichts an ihrer Bedeutung eingebüsst.

Nein, ich behaupte das Gegenteil: Dieses Jahr hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir zueinander Sorge tragen und wie stark, ausdauernd und gleichzeitig wohlbehütet wir sein könn(t)en, wenn wir unsere Gesellschaft, unser Gesellschaftssystem, unser Staatswesen und wie wir uns Menschen tagtäglich begegnen nach diesem Grundsatz organisieren. Reichtum verteilen anstatt ihn zu horten oder irgendwelche Blasen damit zu füttern – nämlich so, dass möglichst viele etwas davon haben. Teilen. Kooperativ zusammenspannen anstatt konkurrierend andere ausstechen wollen. Nicht nur integrativ, sondern inklusiv wirken. Löhne und/oder Renten für diejenigen erhöhen, welche immer nur knapp über die Runden kommen. Leute, die nicht so tolle Bildung geniessen konnten wie die meisten von uns, trotzdem oder gerade deshalb finanziell genauso an unserem Wohlstand teilhaben lassen wie alle anderen auch: Weil sie Menschen sind wie Sie und ich. So könnten bereits viele schwierige Einzelschicksale dank unserem solidarischen Einsatz abgewendet werden.

Auch für Berufsgruppen in die Hände zu klatschen, ist das eine – den hart arbeitenden Menschen dahinter auch einen höheren, angemesseneren Lohn dafür zugestehen, das andere. Aus meiner Sicht ist das eine Selbstverständlichkeit. Und trotzdem müssen wir die monetäre Wertschätzung immer wieder erkämpfen, die strukturelle Ungleichverteilung konstant bekämpfen und zuweilen immer mehr sogar wichtige soziale, ausgleichende Errungenschaften verteidigen, anstatt sie aktiv weiterentwickeln zu können.

Man spricht immer sehr gerne davon, wie die getane Arbeit «wertgeschätzt» wird, solange sie nichts (zusätzlich) kostet. Kostet sie dann (zurecht) doch etwas, dann gibt es schnurstracks Tausende Gründe, warum wir uns das gar nicht leisten könn(t)en. Was wir uns allerdings immer leisten können, sind tiefe Steuern, immer wiederkehrende Steuersenkungen und Vergünstigungen für die richtig dicken Fische. Denn «Trickle Down» soll uns doch alle wohlhabender machen. Und trotzdem setzt nach jedem dieser Märchen wieder ein erneuter Sparprozess ein, fast so, als stimme das ja alles gar nicht ...

Unsere ausserordentliche Lage zeigt exemplarisch, was man in dieser Situation und auch grundsätzlich besser machen könnte: Während wir genügend Buchgeld mobilisieren könnten, um alle anständig zu entschädigen, beschützen andere lieber das Kapital als den Menschen, der dieses erwirtschaftet (hat) – und kommen damit durch. Ich bin da ganz bei Mani Matter, wenn er singt: «Dene wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit. Was aber nid geit, ohni dass’s dene, wos guet geit, weniger guet geit.» Machen wir’s also besser.

Simon Gomm, Kantonsrat Junge SP Region Olten, Pädagogik-Student.

Aktuelle Nachrichten