Kommentar
Luftschlösser für Löwen und Tiger

Erneut wird die Rettung für den Raubtierpark Strickler herumgeboten. Wers glaubt.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Der Raubtierpark von René Strickler in Subingen.

Der Raubtierpark von René Strickler in Subingen.

Hanspeter Bärtschi

Er sollte gehen und weiss nicht wohin. Er hat mehrere Projekte und doch keine. Er ist permanent auf der Suche nach dem grossen Geld und findet beim besten Willen keines. Er zelebriert den Optimisten und wirkt ratlos.

René Strickler veranstaltet nicht erst seit heute einen Riesenzirkus um seinen Zoo mit Zirkusmanege in Subingen. Befände er sich in Holland, könnten seine Sorgen kleiner nicht sein: Wie in vielen andern Ländern verbieten nämlich nun auch die Niederländer ab kommendem Jahr die Wildtierhaltung zum Vergnügen der Zuschauer. Die Gesundheit von Löwen und Tigern in ihren engen Gehegen sei nicht gewährleistet. So ändern sich die Zeiten. Strickler bleibt Strickler.

Beim Wanderzirkus ist die ständige Herumreiserei zweifellos eine zusätzliche Belastung für die Tiere. Diese Phase hat der in die Jahre gekommene Herr der Raubtiere hinter sich. Er glaubte, im Mittelland sesshaft sein zu können. Doch daraus ist Stand heute nichts geworden. Bis spätestens in einem Jahr muss er seine sieben Sachen samt seinen dann noch lebenden Raubtieren gepackt haben und weiterziehen. Egal ob als Zoo oder Zirkus. Wohin, das wissen nur Strickler und allenfalls die Götter.

Nach langem Überlebenskampf ist nun definitiv die Schlussrunde eingeläutet. Dass sich der Idealist in dieser Phase an jeden Strohhalm klammert, ehrt ihn. Doch letztlich glaubt kaum jemand daran, dass er fünf vor zwölf den gut betuchten Retter aus dem Hut ziehen kann. René Strickler mag ein guter Dompteur sein – ein Zauberer ist er deswegen noch lange nicht.