Beznau und die Wahlen
Löchrige Wahlaussagen

Was das AKW Beznau I und die Wahlaussagen mancher Politiker (nicht) gemeinsam haben.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Das Atomkraftwerk Beznau. AZ-Archiv

Das Atomkraftwerk Beznau. AZ-Archiv

Emanuel Per Freudiger

Beznau I ist das älteste Atomkraftwerk der Welt. Trotzdem sei der Meiler sicher – dies versicherten bisher nicht nur die Betreiberin Axpo, sondern auch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi). Nun aber steht der Meiler bereits seit Monaten still – vom Ensi angeordnet viel länger, als es der Axpo lieb ist. Dank neuer Messgeräte waren bei der jährlichen Inspektion im Sommer «kleine Unregelmässigkeiten» im Stahlmantel des Reaktordruckbehälters festgestellt worden – Lufteinschlüsse, entstanden bei der Produktion des Stahls.

Luftblasen also, wie man sie vom Emmentaler kennt. Nur, dass mir Löcher im Käse weit weniger besorgniserregend erscheinen. Und Anlass zur Besorgnis besteht offenbar mehr, als uns lieb sein kann. Jedenfalls hat der «Tages-Anzeiger» gestern berichtet, dass in den Beznau-Stahlwänden nicht bloss so ein paar Blöterli vorhanden seien, sondern gleich gegen tausend – bis zu einem halben Zentimeter gross. Nicht weiter verwunderlich, dass der Axpo-Sprecher aber lieber nicht von Löchern sprechen mag, sondern weiterhin von «kleinen Unregelmässigkeiten» in «sieben Klastern mit rund 900 einzelnen Anzeigen».

Das dürfte zumindest jene seinerzeitigen «Ausstiegspolitiker» zufriedenstellen, die heute schon nicht mehr den Ausstieg aus der Atomenergie vorantreiben wollen, sondern lieber den Ausstieg aus dem Ausstieg. Das verkauft sich am 18. Oktober möglicherweise bei manchen Wählerinnen und Wählern besser. Fukushima ist doch schon so lange her. Und die Wände von Beznau I sind ja – zumindest bis heute – dicht geblieben. Dichter jedenfalls, als so manches Wahlversprechen eidgenössischer Politiker.

urs.mathys@azmedien.ch

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