St.-Ursen-Brandstifter
Letzte Chance für Andres Z.

Der St.-Ursen-Brandstifter kommt frei – und wird jetzt ein Fall für die Kesb.

Urs Mathys
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Andres Z. muss freigelassen werden in diesen Tagen.

Andres Z. muss freigelassen werden in diesen Tagen.

Die Solothurner Strafverfolger und die hiesigen Gerichte können ihre Hände in Unschuld waschen: Sollte Andres Z. in Zukunft doch wieder einmal von seinem Sendungsbewusstsein übermannt werden und sollte es bei diesem nächsten Fanal gar tatsächlich Opfer geben, wird die Verantwortung nicht bei ihnen liegen. «Schuld» wäre dann das Bundesgericht: Dieses hat entschieden, dass der St.-Ursen-Brandstifter nicht weggesperrt bleiben darf.

Dieses Urteil der höchsten Instanz überrascht nicht wirklich. Bereits das Solothurner Obergericht hatte letzten August der Argumentation der Staatsanwaltschaft widersprochen, dass von Andres Z. weiterhin eine Gefahr ausgeht, die eine nachträgliche Verwahrung rechtfertigen würde. Auch «Lausanne» hat nun klar gemacht, dass eine solche als Ultima Ratio nur in Fällen infrage komme, bei denen Menschen an Leib und Leben gefährdet gewesen sind. Andres Z. aber habe bei seinen Aktionen «lediglich» Sachschaden anrichten wollen. Diese Argumentation mag bei etlichen Zeitgenossen auf Unverständnis oder gar Unmut stossen – juristisch ist sie hieb- und stichfest.

Somit muss der bald 67-Jährige aus der im August superprovisorisch verfügten Sicherheitshaft entlassen werden. Und damit ist er in ein paar Tagen ein freier Mann. Richtigerweise hat die in Lausanne abgeblitzte Staatsanwaltschaft bei der zuständigen Erwachsenenschutzbehörde sofort eine Gefährdungsmeldung in Sachen Andres Z. erstattet. Auch dessen Anwalt sagt, dass der Mann Hilfe und Begleitung braucht. Dass er diese Hilfe tatsächlich annimmt und dass er diese letzte Chance packt, das wünschen wir nicht nur Andres Z., sondern uns allen.

urs.mathys@azmedien.ch