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Leserbrief à la carte

Zu den wohl einfachsten Strukturen im bekannten Universum zählen erwiesenermassen Leserbriefe für Wahlempfehlungen.

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Da jedes Wahlempfehlungsschreiben einer wunderschönen Schlichtheit folgt, lässt sich das Ganze sogar schon als Computerprogramm gestalten. (Symbolbild)

Da jedes Wahlempfehlungsschreiben einer wunderschönen Schlichtheit folgt, lässt sich das Ganze sogar schon als Computerprogramm gestalten. (Symbolbild)

Zu den wohl einfachsten Strukturen im bekannten Universum zählen erwiesenermassen Leserbriefe für Wahlempfehlungen. Ihre «Flugbahn» ist noch einfacher zu berechnen als der Apfel, der Sir Isaac Newton auf den Kopf gefallen sein soll.

Alles beginnt mit: «Seit nun n Jahren habe ich das Vergnügen, XY zu kennen» – wobei mit «n» eine möglichst grosse Zahl zu nennen ist. «Seine/ihre Leistungen für unsere Politik sind unübertroffen.»

Wahlweise kann man «sind unübertroffen» auch durch «suchen ihresgleichen» ersetzen. Dann werden drei bis fünf politische Sachbereiche genannt, in denen die kandidierende Person sattelfest sein soll.

Weiter geht man in einem Satz auf die «Soft Skills» ein, die man ihm als Nachbarn, Vorgesetzten, WG-Kumpel oder RS-Kameraden zuschreiben möchte. Weiter folgt eine Phrase, die die Person eindeutig einem klar umrissenen Parteiprogramm zuordnen lässt, um die Gesinnungstreue zu markieren.

Abgerundet wird das Werk mit einer prägnanten Aussage wie: «XY verdient unser aller Vertrauen. Sein/ihr Name wird auf meinem Wahlzettel stehen.» Voilà: Fertig ist der Leserbrief.

Da jedes Wahlempfehlungsschreiben dieser wunderschönen Schlichtheit folgt, lässt sich das Ganze auch als Computerprogramm gestalten: der W.E.L.B.G. (Wahlempfehlungs-Leserbrief-Generator) ist mit einer einfachen Form künstlicher Intelligenz ausgestattet.

Tatsächlich existiert ein solcher Generator bereits – unter www.welbg.ch. Wer dort die Angaben des Kandidaten seines Vertrauens eingibt, erhält den Leserbrief à la minute.

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