Wochenkommentar
Leise Aufbruchstimmung drückt langsam durch

Wochenkommentar zur wirtschaftlichen Lage im Kanton Solothurn.

Franz Schaible
Franz Schaible
Merken
Drucken
Teilen
Visualisierung des Uferparks Attisholz Süd.

Visualisierung des Uferparks Attisholz Süd.

zvg

Das Wetter beeinflusst die Gefühlslage in der Bevölkerung massgeblich. Das zeigt ein Vergleich der aktuellen Meteo-Verhältnisse mit dem vergangenen Jahr. Damals machte sich dank des monatelangen Sonnenwetters eine lockere, ja fast mediterrane Stimmung breit. Aktuell drückt das seit Wochen anhaltende Regenwetter spürbar auf die Stimmung. Das Thema ist allgegenwärtig – und immer im negativen Kontext. Nicht nur wegen überschwemmten Kellern, Verkehrsbehinderungen oder abgesagten Freiluftveranstaltungen, sondern auch wegen massivsten Landschäden und teilweise existenzbedrohenden Auswirkungen auf die Gemüsewirtschaft.

Konjunktureller Himmel hellt auf

In diesem garstigen Umfeld von Aufbruchstimmung zu reden, ist fast anmassend. Und trotzdem wagen wir hier einen Versuch. Denn abseits des Wetters gibt es auch Aufhellungen – am konjunkturellen Himmel. Das gilt selbst für den auf wirtschaftliche Dellen besonders anfällige Kanton Solothurn. Anzeichen dafür gibt es gleich mehrere.

  • Investitionen: Die Firmen investieren wieder in den Maschinenpark, in Neu-, Aus- und Umbauten. Zwar hat die Investitionsneigung noch nicht den Normalzustand erreicht, aber immerhin regt sich etwas. Dafür stehen im Grossraum Solothurn Firmen in unterschiedlichster Grösse. Nicht nur Grossfirmen wie Biogen in Luterbach oder CSL Behring in Lengnau bereichern den Werkplatz Solothurn mit Riesenprojekten. Auch mittelgrosse Unternehmen wie Ypsomed investieren Millionen in den Produktionsaufbau. Und unter Ausschluss der Öffentlichkeit operieren viele Kleinunternehmen. Stellvertretend dafür sei die Medtechfirma Rotomed in Bellach erwähnt, welche rund zwei Millionen Franken in einen Neubau investiert.

Besonders bemerkenswert ist dieses Beispiel, weil das Projekt bereits im Januar 2015 geplant war, dann aber nach dem Währungsschock auf unbestimmt verschoben wurde. Inzwischen hat sich die Auftragslage so entwickelt, dass der Ausbau jetzt realisiert wird. Sogar der Staat greift in die Tasche. Neben dem Spitalneubau in Solothurn wird der Neubau der Kehrichtbeseitigungsanlage (Kebag) in Zuchwil für über 400 Millionen Franken aufgegleist. Investiert wird auch landesweit wieder. So meldet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) für das erste Quartal 2016 ein Plus bei den Ausrüstungsinvestitionen sowohl gegenüber dem Vorquartal wie gegenüber dem Vorjahr von über zwei Prozent aus.

  • Strukturwandel: In den vergangenen Jahren wurde der Werkplatz Solothurn geradezu umgepflügt. Kolosse der Basisindustrie wie die Zellulosefabrik in Riedholz oder die Papierfabrik in Biberist, Hersteller von Massengütern wie Mühlemann in Biberist oder Scintilla in Zuchwil mussten primär aus Kostengründen die Segel streichen. An ihre Stelle treten neue Branchen wie Biotechnologie und Pharma und die vor Jahrzehnten aufgebaute Medizinaltechnik wird immer wichtiger. Die vorab im Raum Grenchen stark vertretene Uhrenindustrie hat sich seit der grossen Uhrenkrise nicht nur erholt, sondern neu erfunden und zum Flaggschiff entwickelt. Dies gilt selbst aktuell in Zeiten, in denen diese Branche samt der Zulieferer mangels Nachfrage nach Zeitmessern hartes Brot essen muss. Fazit: Aus sterbenden Traditionsbranchen wächst wieder Neues.
  • Arbeitsmarkt: Die Beschäftigungslage hat sich eindeutig besser als befürchtet entwickelt. Mit der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze im Januar 2015 ist die Zahl der registrierten Menschen ohne Arbeit zwar stetig gestiegen. Im vergangenen Januar erreichte die Arbeitslosenquote die Höchstgrenze von 3,2 Prozent, seit damals geht der Trend zurück, die Quote liegt wieder unter drei Prozent. Bereits in den Jahren zuvor wurde der schlagartige massive Abbau von über tausend Stellen in den erwähnten Grossbetrieben erstaunlich gut absorbiert.

Fragile Entwicklung

Wie beim Wetter ist es allerdings noch zu früh, um Entwarnung zu geben. Die Lage ist fragil, von Unsicherheiten geprägt und kann jederzeit wieder kippen. Schon bald, beispielsweise am kommenden Donnerstag, wenn die Briten über den Ausstieg aus der EU abstimmen, droht ein Gewitter an der Währungsfront. Dieses könnte die aufkeimende Hoffnung wieder zunichte machen. Zwar deuten die Umfragewerte eher auf ein Verbleiben in der EU hin. Aber bei einem Ja zum Ausstieg würde der Aufwertungsdruck auf den Franken wieder steigen. Und davon wäre die stark exportorientierte Solothurner Industrie überdurchschnittlich betroffen.

Alles würde wieder von vorne beginnen, die Unternehmen müssten den Kostengürtel noch enger schnallen, die Effizienz steigern und Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Es wird Rückschläge geben. Die Solothurner Industrie hat aber wiederholt ihre Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt. Sie ist in der Lage, mit Effizienzsteigerungen, Kostenoptimierungen und Innovationen auf den Weltmärkten zu bestehen. Deshalb steht der Optimismus über dem Pessimismus.