Kommentar
Lange fehlte die Vorbildfunktion

Es ist eine offene Frage, ob sich alle Oltner Berufsschüler freuen, dass ihnen das Verwaltungsgericht nun wieder Turnunterricht verordnet - und somit einen Regierungsratsbeschluss aufhebt, der diesen bei den oberen Klassen abschaffen wollte.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Eine offene Frage ist auch, ob die Schüler der letzten Berufsschulklassen nicht alt genug wären, um selbst Sport zu treiben und sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Keine Frage ist hingegen, dass das Lehrlingsturnen eine Bundesvorgabe ist. Und da erstaunt die Nonchalance, mit der sich Solothurner Bildungsdirektoren jahrelang über das Recht hinweggesetzt haben.

Das Lehrlingsturnen ist eine Langzeitbaustelle im Kanton. Seit 1986 gilt die Bundesvorgabe. Aber das hat die Solothurner Bildungsdirektoren nie gross interessiert. Bis 1994 gab es in Olten zu wenig Sportlektionen. Und FDP-Frau Ruth Gisi hat 1999 kurzerhand den Unterricht in Solothurn und Grenchen gestrichen. Auch von einer Mahnung des Bundesrates 2001 liess sie sich nicht gross beeindrucken. Ihr CVP-Nachfolger Klaus Fischer hat dem Sport wieder mehr Platz auf dem Stundenplan gegeben. Bevor er die Regierung 2013 verliess, sparte er in Grenchen aber wieder Lektionen.

FDP-Mann Remo Ankli übernahm die Baustelle und hat sich in die Tradition seiner Vorgänger eingereiht: Er wollte in Olten Stunden streichen. Dafür musste er vor Verwaltungsgericht. Und hat jetzt verloren. Gestern liess Ankli durchblicken, dass er das Urteil nicht weiterziehen möchte, sondern nun darüber nachdenkt, auch in Solothurn und Grenchen die Vorgabe umzusetzen. Das ist gut. Denn welche Vorbilder geben Bildungsdirektoren den Schülern ab, wenn sie nicht einhalten, was ihnen das Recht vorschreibt?

@ lucien.fluri@azmedien.ch