Kommentar
Kunst wegräumen

Roman Candios’ «Kunst am Bau»- Arbeiten sind demontiert worden, ohne den Künstler zu informieren.

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Diese Holzcollagen von Roman Candio wurde demontiert und im Keller eingelagert.

Diese Holzcollagen von Roman Candio wurde demontiert und im Keller eingelagert.

Da bemerkt der Maler Roman Candio, dass seine Kunst nicht mehr dort ist, wohin sie hingehört. Jemand hat sie abmontiert und etwas Neues, Zeitgemässes an den Platz gehängt. Tatort: Pädagogische Hochschule Solothurn. Candio ärgert sich – verständlicherweise besonders auch –, weil er nichts davon wusste. So fragt er nach, wo seine Arbeiten, die er vor 42 Jahren geschaffen hatte, abgeblieben sind, und hört, dass sie fachgerecht eingelagert wurden. So einfach.

Und wir fragen uns: Was geschieht mit Kunstwerken, die als «Kunst am Bau» realisiert und gepriesen wurden und dann, wenn sie dem sogenannten Zeitgeist nicht mehr entsprechen, den Benutzern der Räume oder Einrichtungen nicht mehr passen, wegmüssen? Wer entscheidet, was, wann und aus welchem Grund abmontiert werden kann oder muss? Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Welchen Anspruch hat auf der anderen Seite ein Künstler, dass seine Arbeiten nie und nimmer abgehängt oder zugedeckt werden?

So oder so: Im vorliegenden Fall (s. gestrige Ausgabe) hat man ein bestimmtes Mass an Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Bilder eines lebenden, schweizweit bekannten Künstlers still und heimlich aus einem öffentlichen Gebäude zu entfernen, zeugt von schlechtem, selbstherrlichem Stil. Schliesslich sind es Kunstwerke, die teilweise mittels Steuergeldern finanziert wurden und die ausgesuchte Kunstexperten einmal für gut, richtig und wichtig erachteten. Und es fragt sich weiter: Was ist «Kunst am Bau» denn eigentlich wert, wenn man sie so einfach in den Keller stellen kann und dann noch begründet, hier sei sie am besten geschützt?

@ fraenzi.zwahlen@azmedien.ch