Glosse
Konträr-Satire aus dem Stadtpräsidium

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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HESO Podium:

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Hanspeter Bärtschi

Fantasie oder böse Absicht? So lautet die Frage, die Stadtpräsident Kurt Fluri im Nachgang einer kulturellen Veranstaltung in einem Leserbrief stellte. Der Hintergrund: «11 nach 9», ein satirisches Bühnen-Talk-Programm, hatte einen Videoeinspieler der HESO-Eröffnung gezeigt. Schauspieler Jens Wachholz kommentierte, Fluri sei mit Bundesrat Maurer nach dem Anlass für einen Umtrunk in die «Krone» davongeschlichen. Dies sei keineswegs so, sagt nun Fluri. Entgegen dieser «Fake News» ist er nämlich nach einem Besuch der HESO-Stände zweier Energieversorger wieder über die Strasse ins Büro zurückgeflitzt.

Woher kommt nun diese Unterstellung? Böse Absicht? Keineswegs! Böse Sachen gegen Kommunalpolitiker sind für die nächsten dreieinhalb Jahre erst einmal vom Tisch – bis zu den nächsten Wahlen. Und für jene, die immer noch zweifeln: Eine Stempeluhr im Stadtpräsidium könnte Verdachtsmomente zu Fluris Aufenthaltsort nach der HESO-Eröffnung ausräumen. War es also Fantasie? Kann man so sagen, was bei einer Satire-«Bühnensendung» nicht ganz abwegig ist. Die lexikale Recherche legt nahe, dass sich Satire neben der Übertreibung durchaus auch des Stilmittels der Fiktion bedienen darf.

Vermutungen, wonach dem Stadtpräsidenten nun der letzte Funken Humor abhandengekommen sei, kann man hypothetisch entkräften: Vielleicht geht er zum Lachen einfach ins Büro. Noch wahrscheinlicher aber: Sein Leserbrief könnte selbst ein satirischer Beitrag gewesen sein. Konträr-Satire, um all die Freunde gepflegter Unterhaltung mit einer satirischen Gegenfinte zu täuschen. Rache ist süss, könnte man sagen. Sehr raffiniert...

Halten wir Folgendes fest: Lustig werden kanns in Solothurn auch ausserhalb der Fasnacht – oder nach neun Uhr abends. Den Beweis kann Fluri antreten: Am 11. Januar ist er selbst zu Gast bei «11 nach 9»...