Fussball
Kommt weg vom Gärtlidenken

Uhrencup und FC Grenchen – eine leidige Geschichte, in der Vergangenheit geprägt durch Verleumdungen, Strafanzeigen, Gerichtsurteile.

Oliver Menge
Oliver Menge
Merken
Drucken
Teilen
Der Uhrencup bescherte dem Grenchner Stadion Brühl grosse Momente – und viele Zuschauer. Wie hier anlässlich des Matches Liverpool - Luzern im Jahr 2008.

Der Uhrencup bescherte dem Grenchner Stadion Brühl grosse Momente – und viele Zuschauer. Wie hier anlässlich des Matches Liverpool - Luzern im Jahr 2008.

Urs Byland

Die Diskussionen, wie sie aktuell im Zusammenhang mit der Vergabe der Spielorte geführt werden, sind nur vordergründig fachlich begründet. Der Aussenstehende merkt schnell einmal, dass da viel mehr dahintersteckt. Im Gespräch mit Beteiligten werden immer wieder Schuldzuweisungen laut. Beispielsweise gegenüber Sportmoderator Sascha Ruefer, der die Rechte am Uhrencup besitzt.

Der wolle ja sowieso nur Geld machen, sagt man. Nur darum finde das Eröffnungsspiel in Grenchen statt, weil er hier höchstwahrscheinlich mehr Tickets absetzen könne als in der Tissot-Arena in Biel. «Aber schreib das dann ja nicht, gell», heisst es. Uhrencup und FC Grenchen – eine leidige Geschichte, in der Vergangenheit geprägt durch Verleumdungen, Strafanzeigen, Gerichtsurteile. Ehemalige FCG-Grössen scheinen immer noch ihr Gift zu versprühen, das in Grenchen auf fruchtbaren Boden fällt, weil Ruefer dem FCG das Turnier vor Jahren «abgläschelet» habe. Klar ist, Ruefer polarisiert.

Das darf aber nicht der Grund sein, den Uhrencup per se zu verteufeln. Denn dieses altehrwürdige Turnier ist wichtig für die Stadt und ihren schon so genug ramponierten Ruf. Die Stadt, allen voran der Stapi, tut gut daran, sich dafür einzusetzen, dass der Uhrencup wieder zurück nach Grenchen kommt. Und letztlich kann ja auch der FC Grenchen davon profitieren, wenn er das Catering übernehmen kann und sich so etwas für die Klubkasse dazuverdient.

Auch der alte Zwist zwischen dem FC Wacker und dem FC Fulgor scheint nicht begraben. Wacker, inzwischen aufgegangen im FC Grenchen 15, will partout nicht in die alte Heimat Riedern. Offenbar nur, weil dort der «Erzfeind» zu Hause ist. Im Juniorenbereich hat man sich mittlerweile zusammengerauft, doch die Alten können sich immer noch nicht riechen. Man erinnere sich nur an die Posse um die Stadionbeiz mit zwei Wirten, die jeweils ihr Material räumen mussten, wenn der andere Verein spielte. Nun können die Protagonisten erneut nicht über den eigenen Schatten springen und in das Stadion ausweichen, das sich bereits in der Vergangenheit bestens für diese Art von Turnier bewährt hat. Oder aufs Westfeld, wo die Stadt sogar anbietet, die Strasse zu sperren. Dort könnten problemlos drei Spielfelder aufgezeichnet werden.

Es ist an der Zeit, vom Gärtlidenken wegzukommen und vorwärtszuschauen. Den 60 Schülermannschaften mit bis zu zehn Spielern dürfte es egal sein, in welchem Stadion und auf welchem Rasen sie Fussball spielen. Und auch die 16 Firmenmannschaften werden nicht mit weniger Einsatz gegeneinander antreten, wenn sie das nicht im Brühl tun können. Aber wenn die Trainer von Borussia Mönchengladbach und YB zum Schluss kommen, dass die Verletzungsgefahr für ihre Profis zu gross sei, weil der Platz im Stadion Brühl in schlechtem Zustand ist, dann wirft das ganz einfach kein gutes Licht auf die Fussballszene Grenchen und die Stadt. Über 700 fussballspielende Kids und Erwachsene hinterlassen nun mal Spuren, so viel ist sicher.