Seitenhieb
Kein Witz über Mohammed

Eigentlich wollte ich über die Pizza schreiben, die ein Lebensmittelhändler für 99 Rappen anbietet. Wie sich beim Kauf herausstellte, waren es gar zwei Pizzen für einmal 99 Rappen, jede 300 Gramm schwer.

Urs Byland
Urs Byland
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Mir schien das Welternährungsproblem gelöst. Dafür lauerte am Horizont ein Tierernährungsproblem. Im gleichen Prospekt wurden Katzensnacks (10 mal 5 Gramm) für 1.49 Franken angeboten. Tiernahrung sollte aber grundsätzlich günstiger sein als Menschennahrung, finde ich – etwa so wie in der Beiz, wo ein Mineral günstiger sein muss als das günstigste Alk-Getränk. Mein Stiefsohn hat gemeint, die Pizza sei gut, nur nähre sie nicht.

Also schwenkte ich um. Denn viel drängender als die Welternährung ist das Problem, dass ich hier eher nicht einen Witz über Mohammed schreiben sollte. Stellen Sie sich vor, ich müsste anschliessend mit Polizeischutz zu Interviews oder Gesprächen, etwa mit Esther Gassler oder Kollegen. Die würden vor Neid erblassen und vielleicht innerlich ein Problem kriegen. Da lass ich lieber den Witz bleiben.

Aber das ist nicht das Einzige, worüber ich nicht schreiben sollte. Also genauer gesagt, ich fotografiere auch und muss hierbei künftig aufpassen, keine Eisenbahnarbeiter auf Eisenbahnschienen ins Bild zu rücken. Das verlangte doch tatsächlich ein Mediensprecher unserer grössten Schienentransportgesellschaft. Warum? Schienen wirken suizidal. Beanstandet wurde der Bericht meines Kollegen über den Schienenflüsterer, der von unserem Fotografen auf Gleisen stehend abgelichtet wurde, was prompt zum Telefon mit dem Mediensprecher führte. Ich darf hier nicht schreiben, welche Firma gemeint ist. Der Mediensprecher ist nämlich extrem scharf drauf, eine Anzeige erstatten zu können.

Nun frage ich mich, ob ich beim nächsten Unfall Bilder von eingedrückten Autos bringen darf? Die Finger ganz lasse ich von Abbildungen von Messern, Vögeln (könnte zum Abschuss anregen), Brücken und Orangen. Sie erinnern sich sicher an die Meldung, dass einer eine Orange essen wollte, sich verschluckte und daran erstickte. Überhaupt erscheint in diesem Licht eine vermummte Muslima in einem ganz anderen Licht.