Stadtbummel Solothurn
Jedem Tierchen sein «Plätzierchen»

Der heutige Stadtbummel dreht sich um Bier, Bücher, Krähen und die «Wagabunten».

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Krähen im Flug

Krähen im Flug

Hanspeter Bärtschi

Ereignisreich wie das vergangene Bier-Wochenende endete, geht es an diesem Wochenende weiter. So wechselt Solothurn die Blickrichtung von Bacchus, dem Gott des Rausches, zu Apollo, dem Gott der Poesie, und geht von den Liter-Tagen zu den Literatur-Tagen über.

Durch den ganzen Lenz hindurch «erfreuen» uns darüber hinaus auch die «Littering-Tage», verursacht durch den Verdauungstrakt der Saatkrähen. Die Erleichterung bereitet dem Tierchen mehr Pläsierchen als dem Geniesser des Hafebiers an der Hafebar, der plötzlich eine eigenartige Gewürznote im Gerstensaft ortet.

Dabei geht es hier doch, wie beim Aktionsmonat des Alten Spitals, um nichts anderes als die Beanspruchung öffentlichen Raumes. Wobei «Platz da?!» jetzt eher «Platz dort?!» heissen müsste. Der Kreuzackerplatz ist nämlich bis zum ersten weihnachtlichen (notabene saatkrähenunversehrten) Glühwein gesperrt und somit auch für die «Homebase» der Grossveranstaltung tabu.

Die Bauarbeiter müssen nochmals über die Bücher – pardon: den Belag. Schon einiges hatte der verfluchteste aller Plätze durchgemacht. Jetzt fehlt nur noch, dass sich dort (wie vielerorts auf der Welt) der Boden zu Dantes Unterwelt öffnet. Vielleicht aber friert die Hölle noch vor dem Abschluss der Garantiearbeiten zu, was das Problem auch lösen würde. Bis dahin wird der Platz aber für Anlässe gesperrt, um Begegnungen mit dem Leibhaftigen gänzlich auszuschliessen.

Warum aber gilt die Sperrung nicht auch für Saatkrähen – oder Karitativ-Marktschreier? Jene Spezies also, die sich auf selbigem Platz gerne mit Passanten unterhält: «Händ si gschnäll e Minute Zyt, um mit mir über heimatlosi Büsi zschwätze?» Ebenso hartnäckig standhaft bleiben die «Wagabunten» an Ort und Stelle, in der Hoffnung, eine Petition möge das Schicksal der drohenden Räumung abwenden. Dass die Stadt Bern derweil eine «Hüttendorfzone» oder «Zone für experimentelles Bauen» abgelehnt hat, mag sie kaum von ihrer Mission abhalten.

Besonders ermutigend ist das Signal aber auch nicht. Dabei hat Solothurn gerade mit dem Kreuzackerplatz die «Zone für experimentelles Bauen» selbst schon eingeführt. Fazit: In Solothurn soll sich jeder wohlfühlen. «Die Leute sind sehr nett hier», bekam der Stadtbummler kürzlich zu hören. Gleichzeitig wurde er darauf aufmerksam gemacht, womit der Barockstadt-Tourist auf dem Zifferblatt des Bieltors begrüsst wird. Ungelogen: Zwei Stinkefinger sind es, die dort die Zeit anzeigen: Willkommen in Solothurn, oder was?

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