Sterbehilfeorganisation
Im Wandel der Zeit

Der Kanton Solothurn will das Zutrittsverbot für Sterbehilfeorganisationen aufheben.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Der Grosse Rat fordert, dass Sterbehilfeorganisationen wie Exit freien Zugang zu öffentlich unterstützten Spitälern, Alters- und Pflegeheimen erhalten.

Der Grosse Rat fordert, dass Sterbehilfeorganisationen wie Exit freien Zugang zu öffentlich unterstützten Spitälern, Alters- und Pflegeheimen erhalten.

Oliver Menge

Wann wir das Licht der Welt erblicken, können wir nicht bestimmen. Wir werden ungefragt geboren. Wann es Zeit ist, das Licht zu löschen, kann in unserer Hand liegen. Über tausend Menschen pro Jahr beenden in der Schweiz ihr Erdendasein vorzeitig mittels eigenhändigem Suizid. Nicht ganz so viele entscheiden sich für assistierten Suizid, besser bekannt als begleitete Sterbehilfe. Deren Zahlen sind in den vergangenen 15 Jahren massiv gestiegen. Gebrauch davon machen laut Statistik mehr Frauen als Männer.

Die Gründe dafür dürften nicht zuletzt in der stetig steigenden Zahl alter Menschen in unserem Land zu suchen sein. Abgesehen davon, hängt die Akzeptanz dieser Entscheide stark von weltanschaulichen Überlegungen und religiös geprägten Sichtweisen ab. Ein gesellschaftlicher Wandel ist jedoch festzustellen: Der Begriff Selbstmord wurde durch Selbsttötung ersetzt und die Sterbehilfe ist mittlerweile enttabuisiert. Dazu beigetragen haben Lebensgeschichten wie des an Prostatakrebs erkrankten, lange Jahre leidenden Mannes, der sagte: «Wenn Sie der freiwilligen Sterbehilfe nicht zustimmen, dann machen Sie keinen Gebrauch von ihr, aber bestreiten Sie nicht mein Recht, sie zu nutzen.»

Der Entscheid der Solothurner Regierung, den Schweizer Sterbehilfeorganisationen einen Zugang zu Altersheim künftig erleichtern zu wollen, ist nachvollziehbar und richtig. Exit und Dignitas vertreten schliesslich über 100'000 Mitglieder. Dass die Heime dabei ein Mitspracherecht haben sollen, zeigt, dass das heikle Thema mit dem nötigen Fingerspitzengefühl angegangen wurde.

theodor.eckert@azmedien.ch