Schweizer Schwerindustrie
Im Überlebensmodus: Das Stahlwerk in Gerlafingen

Das Stahlwerk in Gerlafingen ist der älteste Vertreter der Schwerindustrie in der Schweiz. Doch das Koloss hat mit dem starken Franken und hohen Energie- und Transportkosten zu kämpfen.

Franz Schaible
Franz Schaible
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Das Stahlwerk Gerlafingen muss um das Überleben ringen

Das Stahlwerk Gerlafingen muss um das Überleben ringen

Felix Gerber

Die Basisindustrie hat auf dem Werkplatz Schweiz einen besonders schweren Stand: Ihre Massengüter sind zu teuer, nicht konkurrenzfähig mit dem Ausland und unrentabel. Davon kann speziell die Grossregion Solothurn ein Lied singen. Mit den Schliessungen der Zellulosefabrik in Luterbach und der Papierfabrik in Biberist innert weniger Jahre sind zwei der drei Kolosse verschwunden.

Übrig geblieben ist das Stahlwerk in Gerlafingen. Der frühere Name von Roll steht für den ältesten Vertreter der Schwerindustrie in der Schweiz. Nach vielen Turbulenzen und Besitzerwechseln hat sich das Unternehmen einigermassen stabilisiert. Basis dazu ist die seit Jahren florierende Bauwirtschaft. Gegen 90 Prozent des Gerlafinger Stahls fliessen auf die Baustellen, primär in der Schweiz. Dahinter steckt aber auch ein Klumpenrisiko.

Die Beschäftigten machen einen guten Job und haben teilweise drastische Spar- und Effizienzsteigerungen mitgetragen. Es sind externe Faktoren, welche eine zwingend höhere Rendite fast verunmöglichen: der starke Franken, hohe Energie- und Transportkosten. Der Werkleiter beklagt denn auch mangelnden Support durch die Politik. Oft geht die Bedeutung des Stahlwerkes als grösster Recyclingbetrieb der Schweiz vergessen: Er verarbeitet die Hälfte des hierzulande anfallenden Eisenschrotts.

Solange in Gerlafingen die Hallen erzittern, der Lärmpegel hoch ist und die Kamine rauchen, ist vordergründig alles in Ordnung. Aber die Frage steht permanent im Zentrum: Wie lange schauen die italienischen Besitzer zu? Das Stahlwerk ist im Überlebensmodus.

franz.schaible@azmedien.ch

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