Rekrutenschule
Heute ist mit Verlusten zu rechnen

Von Munition und Sprengstoff fehlt ein Jahr nach dem Verschwinden in Aarauer RS noch immer jede Spur. Eine Glosse.

Urs Mathys
Merken
Drucken
Teilen
Auch bei der besten Armee der Welt gehen manche Sachen verloren.

Auch bei der besten Armee der Welt gehen manche Sachen verloren.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Die «heiligen drei Nadeln» waren 1976 noch ein Garant für den Fortbestand der Eidgenossenschaft. Sie waren, als ich meine Rekrutenschule absolvierte, zentraler Bestandteil des «Mannsputzzeuges». Dieses olivgrüne, viereckige Kunststoffpaket, samt Schuhfettdose, diversen Schuh- und Kleiderbürsten und eben – den drei Nähnadeln – wurde jedem neuen Wehrmann fast so feierlich in die Hand gedrückt wie das Sturmgewehr.

Die zentrale Bedeutung der drei Nähnadeln für die schweizerische Wehrbereitschaft zeigte sich spätestens bei Zimmerinspektionen, die jeweils am Samstagmorgen, vor dem Abtreten in den Wochenendurlaub, stattfanden: Wehe dem Rekruten, der eine der drei heiligen Nadeln verloren hatte: Er galt schlechthin als Gefährder der nationalen Sicherheit. Im harmlosesten Fall wurde er kurzfristig zum WC-Putzen abdetachiert, im schlimmsten Fall erst mit Verspätung in den Urlaub entlassen.

Ich weiss nicht, ob es aktuell noch so etwas gibt wie das Mannsputzzeug mit den «drei Heiligen». Immerhin scheint sich seit 1976 die weltweite Bedrohungslage enorm zum Guten entspannt zu haben: Jedenfalls nehme ich zur Kenntnis, dass man bei der besten Armee der Welt heute mit Verlusten rechnet. Denn obwohl bei einer Durchdiener-RS in Aarau kiloweise Sprengstoff und Übungshandgranaten «verschwunden» bleiben, muss sich laut einem Sprecher der Militärjustiz die Bevölkerung «keine Sorgen machen». Bislang habe es ja «keine Anschläge mit Sprengstoff, Waffen oder Munition der Schweizer Armee» gegeben. Na dann: Schwamm drüber!

urs.mathys@azmedien.ch