Ausgesteuerte
Heer der Unsichtbaren

Immer mehr Stellensuchende werden zu Ausgesteuerten - und «verschwinden» aus den Statistiken.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Auf den Sozialämtern und -diensten klopfen die Ausgesteuerten an. (Archiv)

Auf den Sozialämtern und -diensten klopfen die Ausgesteuerten an. (Archiv)

Solothurner Zeitung

Die Schweiz rühmt sich einer tiefen Arbeitslosenrate, von der andere Länder nur träumen können. Und selbst zusammen mit dem Anteil der Stellensuchenden, die in arbeitsmarktlichen Massnahmen und Kursen integriert sind, ergibt sich immer noch kein Wert, der die Beobachter zu den Alarmglocken greifen lässt.

Allerdings: Der schöne Schein trügt. Und dies seit Jahr und Tag: In der Schweiz «verschwinden» nämlich Monat für Monat hunderte von Menschen im Nirwana – die Ausgesteuerten.

Von ihnen, die ihre Anspruchsberechtigung bei der Arbeitslosenkasse nach Ablauf der Rahmenfrist verloren haben, spricht niemand – nicht einmal eine dürre Statistik. Weder beim Bund, noch im Kanton.

Ausgesteuerte trüben somit auch gegen aussen kein Bild, das Politiker und Wirtschaftskapitäne bei jeder Gelegenheit in schönsten Farben zu malen verstehen. Die Betroffenen selber stellen zwar eine wachsende Masse her – aber keine mit Gewicht, geschweige denn eine, die Gehör findet.

Dabei akzentuiert sich das Problem immer stärker. Je mehr sich die wirtschaftliche Lage weiter anspannt, und je höher die Ansprüche an die Jobsuchenden auf dem Arbeitsmarkt steigen.

Jeden Monat werden alleine im Kanton Solothurn zwischen 80 und 100 Betroffene ausgesteuert. Das Heer der Unsichtbaren wächst. Dass diese Betroffenen gefälligst in einer Statistik zu berücksichtigen sind, würde deren Los zwar kein bisschen einfacher oder besser machen. Dass es endlich geschieht, ist aber längst überfällig.

Es würde auch zum nötigen Druck beitragen, damit diese Schicksale nicht aus den Augen – und erst recht nicht aus dem Sinn geraten dürfen.

@urs.mathys@azmedien.ch

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