Kommentar
Hart auf hart

Familienvater entzieht Töchter den Behörden und schickt sie zusammen mit seiner Frau auf die Philippinen.

Theodor Eckert
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Familie Kast

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HO

Ist er ein cooler Typ – gar ein Held, oder bloss ein Verzweifelter respektive ein Amok? Die Meinungen werden wie immer in solchen Fällen meilenweit auseinandergehen. Fakt ist, dass ein Vater für seine Familie eine Entscheidung getroffen und sich mit dem Staat angelegt hat. Nur zu dumm: Wer in solchen Fällen am kürzeren Hebel sitzt, ist immer von Anfang an klar.

Weniger klar ist jedoch, welche Umstände, welche Verkettungen bei der aktuellen Geschichte letztlich zur Eskalation geführt haben. Bekannt ist: Schweizer Mann und Frau aus fremdem Kulturkreis funktionieren im Alltag nicht wie Vorzeige-Ehepaare à la mode Ballenberg. Das wiederum wird hinter den rot-weiss-karierten Vorhängen der Nachbarschaft mit Besorgnis oder zumindest mit grossem Interesse zur Kenntnis genommen. Und so kommt es, wie es kommen muss, die Beamtenmaschinerie wird in Gang gesetzt.

Auf den ersten Blick scheint sich das Familiendrama von Sisseln für ein weiteres Kesb-Bashing zu eignen, hat doch eine abgehobene Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde einmal mehr rigoros in die Privatsphäre unbescholtener Bürger eingegriffen. Solche Fälle soll es geben. Und wenn man sich vorstellt, welche einschneidenden Konsequenzen ein Obhutsentzug für Eltern und deren Kinder hat, ist leicht vorstellbar, dass damit ein verhängnisvoller Mix von Ohnmacht und Wut angerührt wird. Der zweite Blick ergibt in der Regel ein differenziertes Bild.

Meist liegen effektiv gravierende Gründe vor, ehe zu derart drastischen Massnahmen gegriffen wird. Ob man im aktuellen Fall mit den Prognosen richtig lag, was die Gefährdung des Kindeswohls anbelangt, kann man aus der Ferne unmöglich einschätzen. Man kann lediglich hoffen, dass dem so ist – sonst wäre der Vater tatsächlich ein cooler Typ.