Persönlich
Grandiose neue alte Freiheiten

Balz Bruder
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Es ist manchmal nicht ganz einfach zu ermessen, worin nun ein behaupteter Fortschritt besteht. Ist er bloss einer, weil er einen Zustand herstellt, der früher einmal war? Oder trägt er tatsächlich etwas Fundamentales zu neuer Lebensqualität bei? Diese Frage ging mir durch den Kopf, als ich gewahr wurde, dass es nun wieder möglich ist, sich in Deutschland als Einkaufstourist zu betätigen. Eine Aktivität, die ich weder je praktizierte noch auf einer Liste von Dingen steht, die ich noch erleben möchte.

Sei’s drum, Schweizerinnen und Schweizer dürfen nun wieder vorsätzlich günstiger im Nachbarland einkaufen und auf der Terrasse eines Restaurants Platz nehmen, um billiger zu essen als zu Hause. Wobei umgekehrt das Gleiche gilt. Mit dem feinen Unterschied, dass es sich mit günstiger und billiger etwas anders verhält.

Wenn die Entwicklung als Zeichen für die fortschreitende Entspannung an der Pandemiefront gelesen wird, kann ich der Rückkehr zum Status quo ante in der Tat etwas abgewinnen. Ansonsten finde ich es immer noch einigermassen überflüssig, Güter des täglichen Bedarfs ennet der Grenze zu besorgen. Gerade in Zeiten, da unter «Heimatschutz» auch verstanden werden könnte, die hiesige Wirtschaft nicht links liegen zu lassen.