Persönlich
Gottvertrauen

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Nach einem Treffen mit einem niesenden Mann mit Schutzmaske war der Autor etwas verunsichert. (Archiv)

Nach einem Treffen mit einem niesenden Mann mit Schutzmaske war der Autor etwas verunsichert. (Archiv)

Bloomberg

Kürzlich fiel mir ein Wort ein, von dem ich glaubte, es sei unwiederbringlich in die Tiefen meines Unterbewusstseins abgesackt: Gottvertrauen. Mutter brauchte diesen Begriff jeweils, wenn ich an mir selbst zweifelte und das Ende der Welt auf mich zukommen sah. «Muesch au chli Gottvertraue haa», sagte sie dann etwa am Küchenherd stehend und blickte selbst so sorgenvoll drein, als ob ihr eben dieses Gottvertrauen just in diesem Moment abhandengekommen wär’.

Nun: Es ging ja meistens gut; jedenfalls bisher. Das Ende der Welt ist noch nicht auf mich zugerast. Aber: Da war diese frontale Begegnung mit einem Nieser am Eingang zum Lebensmittelladen. Klar, der Mann trug eine Schutzmaske. Aber wahrscheinlich war meine Miene dermassen von Unsicherheit geprägt, dass er mich darauf hinwies, er sei «de nid öppe chrank». Ich gab mich betont gnädig, sagte irgendwas wie «kein Problem» und verliess den Ort des Geschehens in diesen Coronazeiten dennoch leicht verunsichert.
Nun: Wir werden sehen. Bis auf Weiteres verlasse ich mich auf meinen Gleichmut, und vielleicht setze ich damit auch ein bisschen auf Gottvertrauen. Ich hab’ das Gefühl, dies meiner Vergangenheit als Ministrant ein bisschen zu schulden. Meiner Mutter und mir übrigens auch.

urs.huber@chmedia.ch