Fasnachtssujet
«Gloub ou!»

Warum sich Josef Reinhart beim neuen Fasnachtssujet im Grab umdrehen würde.

Wolfgang Wagmann
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Auch nächstes Jahr wird wieder gefasnachtet.

Auch nächstes Jahr wird wieder gefasnachtet.

Endlich: Unsere Fasnacht wird multikulti. Gut, die integrative Kraft des geballten Narrentums hat sich schon wiederholt bei Fasnachts-Sujets gezeigt. Secondos haben gejubelt bei «Faites vos schö», «Comme tü vö» oder zuletzt «Avanti Soletti». Wobei die Schreibweise ja stets diskutabel war. Oder gar falsch. Streng korrekt hätte es «Avanti Solettese» (von weibl. Soletta) heissen müssen. Aber entweder war man kreativ oder hat es so geschrieben, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Nur Englisch war bisher verpönt.

Das neue Süschée dagegen wirft Fragen auf. Offenbar ist Solothurn unterwandert. «Chunsch ou». Ohne Fragezeichen. Ohne Doppel-n. Narrenfreiheit oder einfach Unwissen? Aber dann dieses «ou». Nein, es stört die Kreativ-Fasnächtler wie zum Beispiel den Ober der Narrenzunft Honolulu überhaupt nicht. Das Problem: Er hat fast sein ganzes Leben in Winistorf verbracht. Das ist so weit im Wasseramt draussen, dass man dort schon ganz heftig «bäärneret». Auch der Ober der Weststadtzunft, Erfinder des «ou», ist äusserst erstaunt, über mein Erstaunen. Solothurn habe doch auch ein «o» und «u» in seinem Ortsnamen (wie übrigens auch Honolulu). Nun, der gute Mann kommt ursprünglich aus dem fernen, bernen Utzenstorf. Und das liegt halt ganz nahe bei – Winistorf.

Zurück zum Thema «Wie uns der Schnabel gewachsen ist». Nimmt man also unsere führenden Fasnächtler als Massstab, dann tönts wohl in good old Solothurn öppe so (Abschied des Zünftlers zu Hause an einem Samstag vor der Fasnacht): «Froue, itze gahni z’ Märit gah Blaaggette verchoufe. Ou wees de deete no so souet – verchouft isch verchouft. Chunsch ou. Gloub ou! Tschou zäme! » Darauf seine Frau: «Tschau Hausi! Chumm au wieder einisch hei!» Seltsamer Dialekt. Sie ist ganz zufällig noch – Solothurnerin.

wolfgang.wagmann@azmedien.ch