Wochenkommentar
Gibts auch bei den Solothurner Wahlen einen Knaller?

Wochenkommentar zu politischen Ausmarchungen, mit deren Resultaten niemand gerechnet hat.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Einblick in das geschäftige Treiben im Wahlzentrum. Wie kommt es im Frühling 2017 heraus? (Archiv)

Einblick in das geschäftige Treiben im Wahlzentrum. Wie kommt es im Frühling 2017 heraus? (Archiv)

Hanspeter Bärtschi

Aufwühlende Wahl mit anhaltenden Nachbeben in den USA, SVP-Überraschungssieg bei der Regierungsratswahl im Aargau, bürgerliches Debakel in der Stadt Bern, spannende Vorwahl in Frankreich, morgen Sonntag eine weitere, umstrittene Ausmarchung in Österreich – da drängen sich erste spielerische Gedanken zu den Wahlen in unserem Kanton geradezu auf. Dreieinhalb Monate sind eine kurze Zeit und die Ausgangslage präsentiert sich mittlerweile weit listiger als anfangs befürchtet.

Sowohl aus den Staaten als auch aus dem Nachbarland Österreich ist ein Satz voller Bekümmernis zu uns gedrungen: «Eigentlich sind beide Kandidaten nicht wählbar.» Das ist natürlich bitter und für die Demokratie eher ein Armutszeugnis. Solothurnerinnen und Solothurner haben es da weit besser, wenn sie ihre künftige Regierung zu bestellen haben. Tatsächlich gilt für sie der gerne zitierte Leitsatz: Wählen bedeutet auswählen können.

Lassen wir den Gedanken also grosszügig freien Lauf. Die Kanalisierung kommt dann noch früh genug. Gleichzeitig werfen wir noch die erfrischenden Wahlphänomene «Umfrageergebnisse erreichen zuweilen die Qualität von Stammtischsprüchen» und «das Wahlvolk hat an Berechenbarkeit massiv verloren» in die Waagschale. Dann, ja dann, dürfen wir uns so richtig auf die Kür der fünf Solothurner Exekutivmitglieder freuen (setzt allerdings auch voraus, dass sich die Wählenden nicht leiten lassen von «’s isch immer so gsi» und der Regel «Bisherige schaffen es ohnehin»).

Umstrittene Sitzverteilung

Die Ausgangslage des Planspiels ist vielversprechend: Ein FDPler und zwei CVPler treten wieder an. Alles Männer. Ein Sitz für die Freisinnigen, das wird niemand bestreiten. Die zwei christlich-demokratischen Sitze jedoch korrespondieren nicht unbedingt mit der Wählerstärke und lösen daher bei den politischen Gegnern Irritationen aus (... und darüber hinaus). Zurückgebunden fühlt sich verständlicherweise die SVP. Sie, die zwar die Potenz hat, in der Vergangenheit aber keine Kandidaten mit der nötigen Überzeugungskraft. Da muss sich die Partei auch selber an der Nase nehmen. Auch 2017 wird diesbezüglich kein Jubeljahr werden (Trump-Effekt hin oder her).

Wenig kämpferisch die derzeit generell verunsicherten Sozialdemokraten: Auch die Solothurner SP zeigt wenig Biss und scheint froh zu sein, wenn sie den einen Sitz auf sicher hat. Eine Zweierkandidatur hat sie jedenfalls im Vorfeld hochkant abgeschmettert.

Keine Quotenfrauen

Die gerechte parteipolitische Sitzverteilung wäre eigentlich je ein Sitz für FDP, CVP, SP und SVP und der fünfte im Rotationsprinzip an eine der Fraktionen im Kantonsrat. Doch bekanntlich ist Politik längst nicht immer gerecht und Regierungsräte sollten letztlich aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten das Amt erlangen. Verweilen wir also bei diesen Punkten. Sie lassen einen gewissen Spielraum offen, zumal damit noch nichts zum Verhältnis der Geschlechter gesagt ist. Jetzt bitte kein Aufschrei. Dieser Aspekt hat weder mit einer Gender-Debatte noch mit Quotenfrauen zu tun. Es geht vielmehr um die bestmögliche Zusammensetzung dieses wichtigen Gremiums, und dies in allen Belangen. Studien und Erfahrungen zeigen, dass Führungsteams, in denen Männer wie Frauen in etwa gleichmässig vertreten sind, mindestens so erfolgreich sind (um es mal konservativ auszudrücken). Und machen wir uns nichts vor, damit es Frau in den oberen Bereich einer Pyramide schafft, muss sie sich mit konstanten (Höchst-)Leistungen mehrfach beweisen. Eine Ochsentour, die männliche Kollegen nicht in jedem Fall hinter sich haben – oder kennen Sie eine Frau, die primär dank Beziehungen, einem smarten Auftritt oder einem gut geölten Mundwerk nach oben gespült wurde?

Nicht zu vernachlässigen

Was könnte das nun für den kommenden 12. März bedeuten? Stand heute treten vier Männer und vier Frauen an. Die wichtigen Parteien sind dabei vertreten. Gehen wir einmal davon aus, dass die Kandidaten intellektuell fähig sind, ein Departement zu überblicken, zu führen und weiterzubringen. Und, nicht unwichtig: sich in ein gestaltendes Gesamtgremium zu integrieren und entsprechend wahrgenommen zu werden. Nicht gänzlich vernachlässigen wollen wir die Erfolgsfaktoren Persönlichkeit und Ausstrahlung. Dabei fällt auf: Bei den Männern sind drei der Kategorie defensiv-unspektakulärer Schaffer zuzurechnen und einer dem Typus Haudegen. Anders die Frauen: Alle vier Kandidatinnen verfügen über eine starke Präsenz, wirken hellwach, was ihnen zu einem selbstbewussten Auftritt verhilft. Sie stehen für Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, denen man etwas zutraut.

Diese Prognose kann man wagen, ohne sich zu weit aufs Glatteis hinauszubegeben: Es kommt 2017 zu einer Premiere. Erstmals werden zwei Frauen in die Solothurner Regierung einziehen. Und wenn sich die Männer nicht vorsehen, könnten sogar ... wie gesagt, die Wahlausgänge sind cheibe unberechenbar geworden.

theodor.eckert@azmedien.ch

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