Persönlich
Geschichten einer Adventszugfahrt

Balz Bruder
Balz Bruder
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Im Zug wird gerne auf dem Handy herumgedrückt oder telefoniert.

Im Zug wird gerne auf dem Handy herumgedrückt oder telefoniert.

Keystone

Es wird viel und gern telefoniert im Zug. Sind es in der 1. Klasse in der Regel Geschäftsleute , gehören in der 2. Klasse Schüler und Studenten zu den bevorzugten Mobiltelefon-Benutzern. Und zwar gnadenlos.

Ohne mich als ungehöriger Zuhörer von Telefonaten mir unbekannter Personen outen zu wollen: Wer auf der Reise von A nach B sein Leben ausbreitet, muss damit rechnen, «abgehört» zu werden. Jedenfalls halte ich mich nicht dafür, allfällige Verletzungen der Privatsphäre durch unfreiwilliges Zuhören mit dem Aufstülpen eines Kopfhörers zu verhindern. Das, finde ich, wäre dann umgekehrt eher ein Eingriff in das, was ich als persönliche Freiheit des Zugfahrers bezeichnen würde.

Nun, Weltbewegendes bekommt man in der Regel ohnehin nicht mit. Doch die Adventszeit bringt es mit sich, dass die Menschen eher mit häuslichen denn mit geschäftlichen Dingen beschäftigt sind. So weiss ich jetzt, dass Frau Z. in grösserer Sorge darum ist, ob sie in diesem Jahr wieder auf den Vorjahreswert ihrer Guetzli-Palette kommt. Ich habe erfahren, dass Herr Y. sich partout nicht entscheiden kann, ob die Familienweihnacht am 24. oder 25. Dezember stattfinden soll, weil die Schneeverhältnisse in den Bergen «sensationell» seien. Und ich weiss auch vom Dilemma von Herrn Y., der in seiner Patchwork-Familie für alle Geschenkempfänger gleich lange Spiesse will. Das bedeutet in concreto: Weil der Schlitten für Kind A teurer ist als der Bob für Kind B, braucht es eine Kompensation. Aber wie?!

Zum Glück ist noch Zeit. Ganze zehn Tage. Verspätungen sind an Weihnachten allerdings tabu. Im Gegensatz zum Zugfahren im Advent, das dafür unterhaltsamer ist als in anderen Jahreszeiten.

balz.bruder@chmedia.ch

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