Spendensuche
Gemeinden sind in der Pflicht

Die Gemeinden im Kanton streichen demnächst einer Reihe gemeinnütziger Organisationen die Gelder.

Elisabeth Seifert
Elisabeth Seifert
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Die sozialen Institutionen dürften gezwungen sein, aufwendige Bettelbriefaktionen zu starten.

Die sozialen Institutionen dürften gezwungen sein, aufwendige Bettelbriefaktionen zu starten.

Kenneth Nars

Während vier Jahrzehnten hat eine Reihe sozialer Institutionen im Kanton Solothurn von einer wertvollen und schweizweit einzigartigen Dienstleistung profitiert. Der Verein Sozial- und Gesundheitsorganisationen (Sagif) hat das Inkasso von freiwilligen Gemeindebeiträgen übernommen.

So mussten gerade kleinere Institutionen die knappen Ressourcen nicht auch noch für aufwendige Bettelaktionen bei jeder Gemeinde verwenden. Durch den flächendeckenden Einzug der Gemeinde-Spenden war zudem garantiert, dass die Dienstleistungen der Institutionen Männern und Frauen aus allen Gemeinden zu entsprechend günstigen Konditionen angeboten werden konnten.

Wenn die Gemeinden dem Verein Sagif jetzt das Vertrauen entziehen, dann hat der Verein sich das auch selbst zuzuschreien. Allzu lange hat er es verpasst, objektive Kriterien für die Auswahl der beitragsberechtigten sozialen Institutionen zu entwickeln. Einzig die sieben Gründungsmitglieder profitierten von den Gemeinde-Geldern. Die durchaus berechtigte Kritik am Sagif darf jetzt aber nicht als Argument dafür herhalten, dass sich die Gemeinden
aus der Verantwortung stehlen.

Der Ankündigung des Einwohnergemeindeverbands, innerhalb der eigenen Verbandsstrukturen eine ähnliche Dienstleistung auf die Beine zu stellen, müssen Taten folgen. Als ein Akt der Solidarität mit Institutionen, die anerkanntermassen wertvolle Leistungen für Menschen aus dem ganzen Kanton erbringen – und für diese Leistungen nicht auf Spenden der Gemeinden verzichten können.

elisabeth.seifert@azmedien.ch