Wochenkommentar
«Geht’s noch?» – ein gängiger Ausspruch diese Woche

Noch dominieren die eidgenössischen Wahlen die Agenda nicht. Was wiederum nicht gleichbedeutend mit medialer Langeweile sein muss. Der Wochenkommentar über das Leben fern der Heimat und beim Verlassen des Mutterleibes.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Combey Gbadjavi hat seine Söhne zurück nach Afrika geschickt.

Combey Gbadjavi hat seine Söhne zurück nach Afrika geschickt.

TeleM1

Zumindest zwei völlig anders gelagerte Geschichten, deren Epizentrum innerhalb der Kantonsgrenzen liegt, geben diese Woche gehörig zu reden. Wohl mindestens so viel wie ein zusätzlicher Nationalratssitz im kommenden Oktober für Solothurn ... (Test bestanden, das Gegenteil ist der Fall).

Politfokussierte mögen nachsichtig sein, aber Massentauglichkeit ist kein relativer Begriff mehr, denn er lässt sich in der digitalen Welt von heute auf Klick und Klack erheben. Und hohe Einschaltquoten hat der Fall Welschenrohr erzielt. Wobei, die Thaler Gemeinde kann ja im Grunde genommen nichts für ihren Auftritt im nationalen Scheinwerferlicht. Vielmehr alle andern. Welche anderen?

Im Zentrum steht einmal ein Togolese, der aus politischen Gründen in die Schweiz geflüchtet ist. Er hat mehrere Kinder. Familiennachzug macht ja durchaus Sinn. Gesichert scheint, dass von des Mannes Nachwuchs inzwischen vier in der Schweiz leben und davon zwei sich gebärden, wie wir uns das hier von 13- respektive 15-Jährigen selbst im Zeitalter der Beliebigkeit nicht wünschen.

Irgendwann ist auch der Vater zu diesem Schluss gekommen und hat sie kurzerhand nach Benin zu Verwandten strafversetzt, wo sie zur Besinnung kommen sollten (aufgepasst, Benin ist nicht etwa wie in einem Online-Stammtischkommentar erwähnt die Hauptstadt des Nachbarlandes Togo). Hätten sich die beiden Jungs in Westafrika nur unter die Sonne gelegt, wäre Welschenrohr in diesem Zusammenhang tatsächlich kein Thema.

Doch das haben die Buben nicht, schliesslich haben sie auch hier nicht gekuscht. Also sind sie schnurstracks auf die Schweizer Botschaft marschiert und liessen sich mit Unterstützung Bundesberns wieder in die Schweiz ausfliegen – wo sie an ihrem Erzeuger kein gutes Haar gelassen haben. Was nicht weiter erstaunt. Wobei, auch hierzulande wird schon mal auf ein Therapieschiff ausser Landes verfrachtet, wer ständig Lämpen macht und sich nicht an minimalste Regeln hält. Um Letztere scheinen sich die Afrika-Rückkehrer offenbar nicht vorrangig gekümmert zu haben.

Um Transparenz dagegen schon: So haben wir inzwischen erfahren, dass ihre angeblich durch eine Selbsttötung aus dem Leben geschiedene Mutter munter auf Zypern lebt und dass ihr Vater nicht der beste sei, weil mit allem überfordert. Was kein Wunder wäre. Wie auch immer, seine beiden Fils sind inzwischen in einem Schweizer Heim untergebracht, wo sie für gutes Geld auf den richtigen Weg gebracht werden sollen.

So hoffen wir mal. Wenig Verständnis bringt die emotional getriebene Online-Gemeinde auf. Die Geschichte mag sich verrückt anhören, doch es gilt zu bedenken, dass nur Bruchstücke davon bekannt sind und wir uns hierzulande in einem Rechtsstaat mit all seinen Gesetzen befinden. Letztlich haben wir es mit Menschen zu tun, die eine etwas andere Herangehensweise ans irdische Dasein praktizieren. Der Vater mag dabei mit seinen rebellierenden Söhnen überfordert sein – wir sind es mit deren Lebensgeschichte.

Wenn Buchhalter entscheiden

Apropos Leben: Nicht wenige haben ihren ersten Atemzug ausserhalb des Mutterleibes in der Solothurner Klinik Obach getan. Damit soll jetzt Schluss sein. Gebären können Frauen künftig, wo sie wollen, aber nicht mehr im beschaulichen Wohnquartier in Hörweite hupender Kursschiffe auf der Aare. Mit diesem Buchhalter-Entscheid geht eine Ära zu Ende. Das ist bitter für alle Direktbetroffenen. Noch vor wenigen Jahren ging, wer nebst Wehen einen Privatarzt hatte und etwas auf sich hielt, zur Niederkunft in diese Klinik. Dem Bürgerspital blieb der «Rest».

Doch dort nahm man die Herausforderung sportlich an und passte sich in geburtshilflichen Fragen den veränderten Wünschen werdender Eltern an. Mit Erfolg. Zudem brachten das breiter abgestützte professionelle Umfeld und die umfangreicheren medizinischen Möglichkeiten (sprich auch Sicherheiten) schrittweise den Umschwung. Das ist kein theoretisches Geschreibsel aus der Schreibstube, sondern entspricht eigenen praktischen Erfahrungen aus dem Gebärsaal, die nicht allzu weit zurückliegen.

Schwangerschaft und Geburt sind für Eltern höchst emotionale Phasen. Privatklinikleiter scheinen das wesentlich nüchterner zu betrachten. Da zählt nur der nackte Franken. Und bei problemlosen Geburten rollt der nun einmal nicht in gefordertem Masse. Also werden Synergien angestrebt. Da muss auch schon mal ein Standort über das Skalpell springen. Was solls. Solche Schritte lassen sich umso leichter diktieren, je weiter weg die Entscheidungszentren liegen.

Wie im vorliegenden Fall vorexerziert. Das Bürgerspital wird den Entscheid freudig zur Kenntnis nehmen, und schwangere Frauen im oberen Kantonsteil dürfen sich ungeachtet des reduzierten Angebots weiterhin unbeschwert auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten.

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