Granges Politiques
Freiräume für Familien

Im sogenannten «Mutterschaftsurlaub» ist einem zwar überhaupt nicht langweilig, dennoch erlaubt die Auszeit einem, Abstand vom Alltag und von bestimmten Entwicklungen zu nehmen.

Angela Kummer*
Angela Kummer*
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«Wir müssen noch vieles tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit zu verbessern», sagt Angela Kummer. (Symbolbild)

«Wir müssen noch vieles tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit zu verbessern», sagt Angela Kummer. (Symbolbild)

Keystone

Viele fragen mich als nun zweifache Mutter, wie ich Familie, Beruf und Politik unter einen Hut bringe. Die Familie nimmt viel Zeit in Anspruch, die Arbeit fordert einen und dann noch politische Ämter? Ich finde es nötig, dass sich auch Frauen um politische und gesellschaftliche Fragen kümmern und mithelfen, Lösungen zu finden. Wir müssen denjenigen helfen, die nicht so viel haben und nicht für sich selbst einstehen können. Denn viele haben Mühe, die Balance zwischen Familien- und Erwerbsarbeit zu finden. Tatsächlich ist es meist so, dass beide Partner arbeiten müssen, um ihre Familie ernähren zu können.

Deshalb müssen wir noch vieles tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit zu verbessern. Welche Möglichkeiten bieten sich in unserer Stadt, einer Teilzeitarbeit nachzugehen? Ist es auch für Männer möglich, ihr Arbeitspensum zu reduzieren? Gibt es genügend ausserfamiliäre Betreuungsangebote? Wie werden die Kinder während der Schulferien betreut, wenn die Kitas ferienhalber geschlossen sind? Wichtig ist auch, dass es nach der Schulumstrukturierung in den Quartierschulhäusern ein funktionierendes Betreuungssystem mit Morgen- und Mittagstisch sowie Hort mit Hausaufgabenhilfe gibt. Die Politik – und zwingend auch die Firmen – müssen bessere Rahmenbedingungen schaffen, damit gut ausgebildete Frauen ihrem Beruf nachgehen können, auch wenn sie eine Familie gründen. Teilzeit-Arbeitsmodelle sowie flexiblere Elternurlaube sind da nur einige der Forderungen. Zudem ist es längst fällig, dass Frauen für die gleiche Arbeit auch gleich viel verdienen wie Männer. Solche Missstände müssen aufgehoben werden!

Die Stadt Grenchen ist ein guter Ort, als Familie mit Kindern zu leben. Doch wie lange noch? Nicht nur die Politiker, wir alle müssen dafür kämpfen, dass dies so bleibt und sich die Lebensqualität nach und nach verbessert. Neben den schon erwähnten Punkten sind qualitativ gute Schulen das A und O. Zahlreiche Vereine leisten riesige freiwillige Arbeit, um der Bevölkerung ein breites Freizeitangebot zu ermöglichen. So unter anderem auch die ISG Interessengemeinschaft Spielplätze Grenchen, die auch die Quartierspielplätze betreibt. Doch es fehlen Freiwillige, welche die Verantwortung über einen der Quartierspielplätze übernehmen.

Gewisse Quartierspielplätze und andere Freiräume für Kinder sind in schlechtem Zustand oder sogar direkt gefährdet. Der Robinson-Spielplatz soll wegen der geplanten Überbauung versetzt und wahrscheinlich verkleinert werden. Ich wehre mich dagegen, dass die Freiräume für Kinder kleiner werden. Ja, ich finde, diese Freiräume für uns alle braucht es, umso mehr in einer Stadt, die zusehends verbaut wird. Ein Waldspielplatz wäre bestimmt eine neue Attraktion, und ein Spielplatz mitten auf dem Marktplatz würde das Stadtzentrum langfristig aufwerten.

Ich fordere, dass trotz Sparmassnahmen genügend Mittel für die Schulen, ausserfamiliäre Betreuung sowie für die Freizeitangebote gesprochen werden. Oder um es in den Worten von John F. Kennedy zu sagen: «Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.»

Angela Kummer, Gemeinderätin SP.