Persönlich
Ferienmachen ist völlig uncool geworden

Wer heute Ferien macht muss eigentlich mit gar nichts mehr rechnen.

Wolfgang Wagmann
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Dank Navigationsgerät findet man jede Adresse.

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Keystone

Ferien sind auch nicht mehr das von früher. Nervös vor dem Losfahren? Irgendein Kribbeln im Bauch? Der grosse Rest-Ungewissheit, was wohl passiert wenn...

... man sich verfährt. Weil der/die nebendran auf der ausgebreiteten Strassenkarte Rostock mit Rorschach verwechselt hat.

... man partout kein Hotel mehr findet. Weil man abends um 16 Uhr anfangs August am Comersee eintrudelt und das Gefühl hat, alle Hoteliers hätten nur auf das anreisende Schweizer Pärli gewartet. Dieses aber merkt erst um 20 Uhr nach einer Odyssee über den See per Autofähre, dass es mit der Besenkammer im Drittklasshotel noch gut bedient ist.

Nein, Ferienmachen ist völlig uncool geworden. Solange das Navy funktioniert und man nicht Rostock statt Rorschach eintippt hat, solange das freie Zimmer der Internet-Buchung auch am Zielort frei geblieben ist - solange sind Ferien sterbenslangweilig. Weil alles klappt wie am Schnürchen. Sogar am Ferienort ist die Spannung gleich null geworden, wenn es um das heikelste Geschäft des Tages geht: die ideale Beiz für ein tolles Nachtessen zu finden. Die Reinfälle von früher sind Geschichten bis heute. Es gibt sie nicht mehr. Neulich in Amsterdam: Sohn sucht unter 2500 im Internet bewerteten Restaurants eines der topklassierten heraus. Nach zwei, drei Minuten: Nichts wie hin und – nicht, aber auch gar nicht enttäuscht werden. Für die ganze Restspannung sorgen höchstens noch Bucheli, Boner & Co: Vielleicht haben sie einmal mehr ein klitzekleines, bösartiges Randtief in der Bretagne falsch eingestuft.

wolfgang.wagmann@azmedien.ch

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