Lysistrada
Fehlgeleitete Präventionsstelle

Kommentar zur Beschwerde von Lysistrada über den «Rundschau»-Beitrag.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Die Fachstelle Lysistrada hielt einen Rundschau-Beitrag über den Oltner Strassenstrich für problematisch, nicht aber die Ombudsfrau der SRG.Archiv OT/Bruno Kissling

Die Fachstelle Lysistrada hielt einen Rundschau-Beitrag über den Oltner Strassenstrich für problematisch, nicht aber die Ombudsfrau der SRG.Archiv OT/Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

Die Prostituierten-Fachstelle Lysistrada hat sich einen hervorragenden Namen gemacht. Im ältesten Gewerbe der Welt, das sich wenig um die Würde der Frau schert, setzt sich die Stelle seit Jahren vorbildlich für Wohlergehen und Rechte der Sexarbeiterinnen ein.

Jetzt aber macht Lysistrada mit eigenartigen Aussagen auf sich aufmerksam. Die Fachstelle hat eine Beschwerde gegen einen Beitrag der SRF-Sendung «Rundschau» über «Sex ohne Gummi» auf dem Oltner Strich gemacht.

Aus dem Staunen kommt kaum heraus, wer die Beschwerde liest, die am Dienstag von der SRG-Ombudsstelle abgeschmettert wurde: Die Journalisten hätten aus Sicht der Fachstelle den Preis für Sex auf dem Strich nicht nennen dürfen.

Noch mehr: Sie hätten sich zuerst bei der Fachstelle melden sollen, die ihnen dann gesagt hätte, wie am besten zu berichten sei. Lysistrada hätte auch noch die richtigen Personen für Stellungnahmen vermittelt. Kein Bericht also, wenn nicht die Wahrheit bei der Fachstelle erfragt wird.

Die Fachstelle führt sich da als Zensor auf, der im Namen von Political Correctness, Frauenwohl und Prävention entscheidet, wie und über was berichtet wird. Bei allem Respekt: Das ist Unsinn. Aufklärungsarbeit ist der Zweck jeder Präventionsstelle – nämlich Aufklärung über drohende Gefahren, über vorhandene und aufziehende Fehlentwicklungen.

Nur wenn Tatsachen schonungslos genannt werden, kann sich eine gesellschaftliche Debatte über Missstände entwickeln. Nur so wird Druck auf Freier ausgeübt. Das hat der Fernsehbeitrag gemacht. Wenn aber im Namen der Prävention Tatsachen nicht mehr genannt werden sollen, dann ist es mit dem aufklärerischen Gedanken vorbei.

Eine Präventionsstelle, die sich in anti-aufklärerischen Reflexen übt, ist auf Abwegen.