Kommentar
Falscher Weg

Ihr Pfarrer wird verhaftet und die Verantwortlichen wollen dessen Privatleben vom Amt trennen.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Die Geschichte ist höchst brisant und bewegt die Gemüter in Subingen – und spätestens ab heute darüber hinaus: Ein Mann der Kirche sitzt seit Wochen im Kanton Zürich in Untersuchungshaft, statt in seiner Solothurner Gemeinde das Wort Gottes zu verkünden. Was um Himmels willen wird dem Herr Pfarrer vorgeworfen? Geht es um Geld, Sex, Gewalt? Die Gerüchteküche brodelt.

Davon gehen alle Beobachter aus: Wer bloss ein Schoggistängeli an der Kasse vorbeischmuggelt, verbringt nicht die Festtage hinter schwedischen Gardinen.

Dass ein derartiger Fall nicht unter dem Deckel, selbst dem des betroffenen Dorfes gehalten werden kann, müsste eigentlich allen Involvierten klar sein. Mit andern Worten, der Präsident der Kirchgemeinde hätte längst von sich aus eine Stellungnahme abgeben müssen. Aus Gründen des Datenschutzes und der Unschuldsvermutung abzublocken, zu verschleiern, herunterzuspielen ist schlichtweg kein gangbarer Weg, wenn eine Person von öffentlichem Interesse, bezahlt mit Geldern des Kirchenvolkes, in ein Strafverfahren verwickelt ist.

Auch wenn die Ansprüche an Theologen über das Mittelmass hinausreichen, geht es hier nicht um Moral, sondern um Führungsverantwortung eines Arbeitgebers
sowie das Anrecht auf Information von Mitgliedern einer Staatsreligion. Der inhaftierte Pfarrer ist letztlich auch nur ein Mensch und er hat es nicht verdient, dass ihm die Gerüchteküche die wildesten Verbrechen andichtet. Zum Glück hat gestern die Zürcher Staatsanwaltschaft für etwas mehr Klarheit gesorgt.