Wasserstadt
Euphorie ist gegen Gesetze chancenlos

Ein Alt Bundesrichter hält fest: Das Stadtmist-Gelände kann nicht umgezont werden. Das bedeutet das Aus für die Wasserstadt.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Die Wasserstadt hätte beim Campingplatz gebaut werden sollen.

Die Wasserstadt hätte beim Campingplatz gebaut werden sollen.

Simon Dietiker

Das war ein Überraschungscoup gestern, ein gelungener: Einladung zur Medienorientierung am Morgen, Information am Nachmittag – ruck, zuck – und die Wasserstadt Solothurn wird künftig nur noch in den Geschichtsbüchern auftauchen. Und natürlich als Hauptakteurin im ungeschminkten, letztlich vernichtenden Rechtsgutachten eines ehemaligen Bundesrichters. Kein Aus auf Ansage, obwohl es für den aufmerksamen Beobachter derartige Signale gegeben hat. Zumindest im Nachhinein betrachtet.

Das mutet eigenartig an: Den Promotoren, die über Jahre viel Herzblut, Zeit und Geld investiert haben, wurde kaum ein Wissensvorsprung gegenüber der Öffentlichkeit gewährt. Möglich wäre das problemlos gewesen, man hätte ihnen die Hiobsbotschaft nämlich bereits unter den letztjährigen Weihnachtsbaum legen können, trägt sie doch das Datum 23. Dezember 2015.

Vom Schiff aus betrachtet, und zwar im wörtlichen Sinn, wäre die Wasserstadt bestimmt ein faszinierendes Bauwerk gewesen. Im übertragenen Sinn dagegen, also aus etwas Distanz, kommt das visionäre Projekt einer Tragödie nahe: Ivo Bracher hat über Jahre für dieses Vorhaben die Werbetrommel gerührt. Auch schon mal laut, jedenfalls immer unermüdlich. Verzögerungen konnten seiner Euphorie keinen Abbruch tun. Mahnende Worte ebenfalls nicht. Kritische drangen schon gar nicht bis zu ihm durch. Keine Frage, erfolgreich kann nur sein, wer sich nicht von jedem Lüftchen aufhalten lässt. Doch hier kommt das Aber: Wer das gestern präsentierte Gutachten liest, staunt Bauklötze.

Rechtlich betrachtet, sprechen unzählige Punkte gegen ein derartiges Projekt an dieser Lage. Da existieren schlichtweg unüberwindbare Hürden, die selbst mit der grösstmöglichen Unterstützung von Stadt und Kanton nicht zu nehmen gewesen wären. Ganz nüchtern betrachtet, hat es nicht am mangelnden Goodwill für eine tolle Idee gefehlt. Die Wasserstadt ist ganz einfach den Gesetzen in diesem Land zuwidergelaufen.

Allerdings: Das sind weder Geheimpapiere, noch wurden sie eben erst eingeführt. Mit andern Worten war der Hauptinitiant auf einem Auge blind. Weshalb ist es den vollständig Sehenden während all der Jahre nie gelungen, ihm die Tragweite der Fallstricke glaubhaft aufzuzeigen? Auf viele wirkte die Idee offenbar zu berauschend, um ihr nüchtern begegnen zu können.

Nach der Katerstimmung ist Aufbruchstimmung gefragt: Eine Fiktion ist zwar vom Tisch, doch die Sondermülldeponie Stadtmist ist Realität.