Kommentar
Etwas mehr Eigenständigkeit

Balz Bruder
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An den Gymnasien des Kanton Solothurn gilt: keine schriftlichen und mündlichen Prüfungen. (Symbolbild)

An den Gymnasien des Kanton Solothurn gilt: keine schriftlichen und mündlichen Prüfungen. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Nun tagen sie wieder auf Messegeländen und in Sportzentren. Unsere Volksvertreter. Ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität (die übrigens auch in normalen Zeiten nie die gleiche war). Ebenso wenig wie der Föderalismus. Eine wunderbare Erfindung, die aber gerade an ihre Grenzen stösst, wenn Kantone mitten in der Pandemie die Schule neu erfinden. Wie der Kanton Solothurn, der ab dem 11. Mai wieder Ganzklassen-Präsenzunterricht durchführt. So wie die anderen Kantone im Bildungsraum Nordwestschweiz auch.

Die Frage, die sich stellt, ist die: Was ist epidemiologisch vertretbar, pädagogisch sinnvoll und wirtschaftlich verkraftbar? Just der Föderalismus zeigt, dass es auch andere Wege gibt, die zum heutigen Zeitpunkt sinnvoller erscheinen. Zürich, Bern, St.Gallen – sie alle fangen mit Halbklassenunterricht an. Das schafft andere, organisatorische Probleme für Schülerschaft und Eltern. Gemessen an der vollständigen Schulschliessung vor knapp zwei Monaten mutet diese Lösung allerdings verhältnismässig an.

Und dann noch die Maturaprüfungen. Schule vollständig hochfahren, aber junge Menschen vor der Hochschulreife von den schriftlichen Prüfungen entbinden? Das ist weder nötig noch sinnvoll, sondern einfach nur bequem. Ohne die Prüfungen überhöhen zu wollen: Eine Matura mit diesem Beigeschmack hätte nicht sein müssen. Etwas mehr Eigenständigkeit hätte sich Solothurn da schon zumuten dürfen.