Untersuchungsgefängnis
Es braucht beileibe keine 5 Sterne, aber...

Die Anti-Folter-Kommission ist mit dem 40 Jahre alten Untersuchungsgefängnis in Solothurn nur mässig zufrieden. Brisant: Gleich lange Einschlusszeiten in Berlin, hat ein deutsches Gericht unlängst als Verstoss gegen die Menschenwürde taxiert.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Das Solothurner Untersuchungsgefängnis

Das Solothurner Untersuchungsgefängnis

Felix Gerber

Stellen Sie sich vor, Sie würden als Unschuldiger in Untersuchungshaft gesteckt. Einverstanden, das braucht etwas Überwindung. Doch es kommt noch wesentlich heftiger: Stellen Sie sich weiter vor, Sie müssten in der Folge 23 Stunden pro Tag zusammen mit einem wildfremden, bedrohlich wirkenden Menschen in einer engen Zelle hausen. Das dürfte die Vorstellungskraft übersteigen. Was für Sie an dieser Stelle ein happiges, zum Glück lediglich theoretisches Gedankenspiel ist, kann Ihnen allerdings im nicht mehr ganz taufrischen Untersuchungs-gefängnis Solothurn widerfahren. Der Bau weist diverse Mängel auf, die bei der Unterbringung von mutmasslichen und wirklichen Straftätern in mehrfacher Hinsicht zu Kritik Anlass geben.

Nun kann man einwenden, dass sich Insassen eines Knastes durchaus mit Abstrichen gegenüber ihren gewohnten Lebensumständen abzufinden hätten und im Vergleich zu Gefängnissen in anderen Ländern die Schweiz in jedem Fall immer noch Komfortzone A+ biete. Trotzdem können die monierten Punkte der Antifolter-Kommission nicht leichtfertig vom Tisch gefegt werden. Gleich lange Einschlusszeiten in Berlin zum Beispiel, hat ein deutsches Gericht unlängst als Verstoss gegen die Menschenwürde taxiert.

Wie überall hohe Belegungszahlen, schwierige bauliche Gegebenheiten, sowie die Aussicht auf einen anstehenden Neubau haben zur Folge, dass die Kommissionskritik für die Bewohner des Solothurner Untersuchungsgefängnisses wenige bis keine unmittelbaren Verbesserungen bringen wird. Zumindest sensibilisiert dürften die zuständigen Stellen jedoch sein: Mit einem Schmunzeln nehmen wir zur Kenntnis, dass in der Vergangenheit lobende Worte der gleichen Kommission für den Schachen stolz kommuniziert wurden, während die Öffentlichkeit von der aktuellen Kritik offenbar nichts erfahren sollte.

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