Meinungsfreiheit
Engstirnig: Heftige Reaktionen auf Wanners Steuerreform-Kritik

Wehe, wenn einer sagt, was er denkt: Ein Solothurner Ex-Regierungsrat ist bös unter die Räder gekommen.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Christian Wanner (Archiv)

Christian Wanner (Archiv)

Keystone

Weit haben wir es gebracht in unserem liberal-demokratisch geprägten Staate Schweiz: Wer einer Partei nahesteht, hat gefälligst alles abzunicken, was diese vertritt. Die Parolen sind zu verinnerlichen und gehorsamst nachzubeten. Immer schön nach dem Motto: Wo kämen wir denn hin, wenn jeder selber denken würde. Das Denken und Lenken übernehmen die Parteioberen – denn sie wissen, was sie tun. Parteidisziplin ist schliesslich der Weg zum Erfolg. Die Sünneli-Partei hat es vorgemacht. Abweichler, also solche, die ihren Gedanken freien Lauf lassen und es gar wagen, diese zu äussern, beziehen mittlerweile auch in gemässigteren Parteien verbale Prügel von stromlinienförmigen Politbewegten. Da wird gnadenlos auf Freidenker eingedroschen. Echt übel.

Christian Wanner kann davon ein mehrstrophiges Lied singen, seit er es gewagt hat, die Vollkommenheit der Unternehmenssteuerreform III anzuzweifeln. Der freisinnige langjährige Finanzdirektor unseres Kantons mochte nicht in den orchestrierten Kanon der aktiven Säckelmeister einstimmen. Nicht aus Oppositionslust. Er hatte ganz einfach die Schwachstellen der Vorlage geortet, das überladene Fuder als solches erkannt und seine Meinung dazu kundgetan.

Die Reaktionen waren heftig: Auf die Wiedergabe des Inhalts der (anonymen) Briefe, Kurznachrichten auf dem Handy, Telefonanrufe und persönlichen Beleidigungen verzichten wir. Der Verweis auf die gängige Fäkalsprache in elektronischen Medien dürfte reichen. Übrigens: Absender waren mehrheitlich «Parteifreunde» Wanners. FDPler, die offenbar vergessen haben, was liberal und was Meinungsfreiheit bedeutet. Immerhin, die Mehrheit des Volkes hatte er auf seiner Seite.

theodor.eckert@azmedien.ch