Stadtbummel Solothurn
Energetisch aufgeladen dank Schamanentrommel und Glace

Der Stadtbummel dreht sich um Themen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Was hat Erleuchtung mit dem Sonntagsverkauf zu tun?

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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«Wo ist meine innere Mitte?»– am Wochenende konnte man sie an der Gesundheitsmesse im Landhaus entdecken.

«Wo ist meine innere Mitte?»– am Wochenende konnte man sie an der Gesundheitsmesse im Landhaus entdecken.

Hanspeter Baertschi

Als wahrhaft erleuchtet betrachten darf sich, wer am vergangenen Wochenende die Gesundheitsmesse im Landhaus besuchte. Dort ging es nicht darum, Interessantes über die Trends der Schulmedizin zu erfahren.

Vielmehr trat man in Kontakt mit lichtvollen Wesen, erfuhr, wie das Geburtsdatum mit der Persönlichkeit zusammenhängt (nennt sich das nicht Astrologie?), tanzte zum Klang von Schamanentrommeln mit den Flügeln seines Seins und wurde in die Geheimnisse verbogener Löffel und gekrümmter Gabelzinken eingeweiht. Unter dem Motto «Ups ein Pups» wurden sogar flatuläre Themen aufgerollt. Wenn so was nicht energetisch auflädt, was dann?

Also Erleuchtung pur: Die Messe, die auch an einer Handvoll anderer Orte in der Schweiz vorbeitingelt, versorgte ihre Besuchenden mit allem, was für ein gelingendes Leben vonnöten ist. «Cui bono?» fragt sich der Lateiner: «Wer hat was davon?»

Diese Frage stellt man sich übrigens auch nach dem letzten Sonntagsverkauf – und gelangt zu einer Antwort: Zumindest die Standorte für Glace-Bezug liessen sich anhand langer Menschenschlangen lokalisieren.

Auch sie waren wie das Landhaus wichtige Kraftorte – mit Energiequellen wie Stracciatella oder Waldbeere. Nur der Plastiklöffel in der Vitaminstation ist weniger biegsam. Biegsam zeigte sich dafür ein Ladeninhaber weiter unten am Stalden bei der Beschilderung.

Dort, wo heute unter dem Namen «Çêma» ausdrücklich «anatolische Küche» angeboten wird, prangte vor Monaten noch ein Schild: «zu vermieten», und in Klammern: «nicht für Kebap». Ein Schelm, wer Böses denkt, aber «anatolische Küche» klingt eh viel besser – «so oder eso».