Übertrittsverfahren
Endlich mehr Zeit für den Unterricht

Ab 1.August 2016 tritt ein neues Übertrittsverfahren in Kraft.

Elisabeth Seifert
Elisabeth Seifert
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Bisher war die «Vergleichsarbeit» massgebend für den Übertritt.

Bisher war die «Vergleichsarbeit» massgebend für den Übertritt.

Chris Iseli

Der Wahn, unser Leben vermessen zu wollen, macht vor nichts und niemandem Halt. Ganz besonders Bildungspolitiker sind mit Feuereifer damit beschäftigt, Leistungsstandards zu definieren sowie schul- und kantonsübergreifende Leistungstests zu entwickeln. Das Ziel solcher Bemühungen: die Vergleichbarkeit von Leistungen, eine höhere Qualität des Unterrichts sowie die Absicherung von Lehrerentscheiden gegen die Kritik von aussen. Solche Überlegungen standen Pate, als der Kanton im Rahmen der Oberstufenreform ein prüfungsbasiertes Übertrittsverfahren eingeführt hat. Die kantonsweite Prüfung am Ende der sechsten Klasse sollte die Grundlage bilden für möglichst gerechte und für alle Beteiligten nachvollziehbare Übertrittsentscheide.

Umso bemerkenswerter ist es, dass der Kanton jetzt davon abrückt – und ein System einführt, das die Lehrpersonen und ihre professionelle Einschätzung stärker ins Zentrum stellt. Eine Einschätzung, auf die man sich verlassen kann, wie die Erfahrung der vergangenen Jahre gezeigt hat. Für den Unterricht in den beiden letzten Klassen der Primarschule bedeutet dieser Entscheid einen Gewinn. Lehrpersonen und Schüler stehen in der Folge nicht mehr unter Dauerdruck. Gerade auch deshalb, weil nicht nur die kantonsweite Prüfung in der sechsten Klasse abgeschafft wird, sondern auch die Noten der fünften Klasse nicht mehr relevant sind für den Übertritt. Und: Sowohl in der fünften als auch in der sechsten Klasse gibts neu keine Semesterzeugnisse mehr, sondern nur noch ein Jahreszeugnis. Damit entfällt für die Lehrpersonen die Notwendigkeit, ständig Tests durchführen zu müssen, um mit gutem Gewissen eine Note ins Zeugnis setzen zu können. Je näher das Datum der kantonalen Übertrittsprüfung heranrückt, desto mehr orientieren sich der Unterricht und die Tests zudem an der Logik der zu erwartenden Prüfungsfragen. «Teaching to The Test» nennt sich das Phänomen.

elisabeth.seifert@azmedien.ch

Ein Phänomen, das kaum der Qualität des Unterrichts zuträglich ist – sondern in erster Linie den florierenden Nachhilfestudios hilft. Die Schülerinnen und Schüler, die im August in die fünfte Klasse kommen, dürfen aufatmen. Ohne ständig an den nächsten Test denken zu müssen, können sie und ihre Lehrer sich den hoffentlich möglichst spannenden Unterrichtsinhalten widmen.

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