Kommentar
Einfach Mensch sein

«Was können wir dagegen tun?», fragte Yohannes aus Eritrea den Journalisten bei dessen Besuch im neuen Asylzentrum. Ja, was können Asylbewerber gegen die Angst tun, die einige Egerkinger vor den fremden Menschen in der «Fridau» haben?

Urs Mathys
Urs Mathys
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Erste Asylsuchende in der Fridau Egerkingen

Erste Asylsuchende in der Fridau Egerkingen

Bruno Kissling

Sogar Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi selber hatte lange genug vor drohenden «ideellen Immissionen» gewarnt und immerhin 69 Einsprecher hatten versucht, die Unterbringung von Asylbewerbern in der ehemaligen Klinik zu verhindern.

Bereits leben über 50 Asylbewerber in der «Fridau», bis Ende Monat dürfte mit deren 80 die Vollbelegung erreicht sein. «Wir übernehmen jetzt diese Last, erwarten aber, dass in drei Jahren andere sie tragen werden», sagt Gemeindepräsidentin Bartholdi heute. Dies ist zumindest ein erster Schritt hin zu einem friedlichen Nebeneinander. Um so mehr, als es kaum eine idealere Unterkunft gibt als das kantonseigene Klinikgebäude, das zwei Kilometer ausserhalb des Dorfes liegt. Idealer jedenfalls, als zuvor eine Zivilschutzanlage mitten in Biberist, deren privater Besitzer aus der Notlage der Asylbewerber – und der Asylbehörden – ein Geschäft machen wollte.

Es gab und gibt genug Asylsuchende, die einiges dafür taten und tun, dass in der Bevölkerung Misstrauen und Ängste aufkommen. Gegen solche ist konsequent vorzugehen, denn sie haben die Gastfreundschaft der Schweiz nicht verdient. Yohannes aber will nicht zu den schwarzen Schafen gehören. «Was können wir dagegen tun?», hat der 20-jährige Eritreer gefragt. Am besten ganz einfach Mensch sein, fair und anständig bleiben, sich an die Gesetze halten. So, wie es auch gute Schweizer tun (müssten).

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