Kommentar
Eine ziemlich unbeholfene Aktion

Die Stadtpolizei Solothurn hat alle Drogensüchtigen am Amthausplatz auf einmal festgenommen.

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Am Freitagmorgen nahm die Stadtpolizei alle Personen auf dem Amthausplatz fest. (Archiv)

Am Freitagmorgen nahm die Stadtpolizei alle Personen auf dem Amthausplatz fest. (Archiv)

Solothurner Zeitung

Was haben diese 14 Personen getan? Da fährt die Solothurner Stadtpolizei am Amthausplatz vor und legt allen, denen man ein Suchtproblem ansieht, Kabelbinder um die Hände. In der Reithalle müssen sich bis auf die Unterhosen entblössen. Doch 10 der 14 Personen wurden grundlos festgehalten. Nichts liegt gegen sie vor. Sie sassen einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Ihre mutmassliche Drogenvergangenheit reichte der Polizei offenbar für eine vorläufige Festnahme.

Für eine Kontrolle mag der Verdacht genügen. Aber reicht der Generalverdacht für eine kurzzeitige Festnahme? Oder hat nicht jeder das Recht, nur bei einem konkreten Verdacht festgenommen zu werden? Am Vorliegen konkreter Verdachtsmomente gegen einzelne Personen zweifelt, wer die ersten Begründungen des Stapo-Vizekommandanten in unserer Samstagsausgabe liest.

Konkrete Hinweise auf Drogen habe es an jenem Tag nicht gegeben. Doch die Reklamationen über den Amthausplatz hätten sich gehäuft.

Wer das liest, stellt sich die Frage, ob bei der Solothurner Stadtpolizei Personen mit einem Suchtproblem weniger Rechte haben als andere Menschen.

Die Aktion wirkt nicht verhältnismässig, sondern wie der unbeholfene Versuch, ein soziales Problem am Amthausplatz mit Polizeikräften zu lösen. Ein Problem, das bei anderen Institutionen wesentlich besser aufgehoben wäre. Und rechtsstaatlich würde es erst noch kein flaues Gefühl im Bauch zurücklassen. @lucien.fluri@azmedien.ch