Stadtbummel Solothurn
Eine kleine Patientenverfügung

Der Stadtbummel zum Göiferlätscht, Krähen-Kacke, Ochsner Shoes und Kaverne.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Bevor wieder jemand in die Kaverne darf, muss die Statik überprüft werden.

Bevor wieder jemand in die Kaverne darf, muss die Statik überprüft werden.

Markus Marti

Patina der weissen Art ziert gerade noch den Göiferlätsch. Das warme Wochenende wird ihr den Rest geben. Dann dürfen unsere Mädchen wieder «Chneusocke» anziehen, wenn der
ganze Latz unter dem Kurhaus grün ist. So war es früher in Solothurn Brauch. Heute tragen die Mädchen Schlitze und Risse in den Jeans den ganzen Winter über. Klimawandel eben. Doch alle Wärme dieser Zeit bringt eine andere weisse Patina nicht weg. Wir reden von der «scheisse Patina» im Kreuzacker. Nun haben die Krähen wieder «New Territories» besetzt. Neu mit Nesterbauten in den letzten zwei Platanen Richtung Ramada. Damit gehts auch dem offenen Bücherschrank darunter beschissen. Aber was solls.

Patente Kerle die Ochsners. Mit Sport und Shoes haben sie sich überall im «Ypsilon» festgesetzt. So müssen wir nicht mehr dem Huber auf der «Köfu»-Bühne abpassen, um an mehr Ochsner zu kommen. Früher war das ja noch ganz einfach, mit dem Patent Ochsner. Überall sind sie herumgestanden. Um geleert zu werden, die Ochsner-Kübel. Heute sind es graue Säcke. Leider oft zu früh und damit zu lange draussen. Wie manche Leute jetzt schon auf dem Aaremürli. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Und die zerrissenen Jeans hatten wir ja schon.

Patienten müssen geduldig sein. Heftli-Lesen verkürzt die Zeit in der Vorhölle der Arztpraxis. Früher war es der «Nebelspalter», heute mit viel Glück das «Geo» oder die «Annabelle». Was das mit Solothurn zu tun hat? Eigentlich gar nichts Spezielles. Aber – «Patienten» war halt ein soo schönes Einstiegswort für diesen Abschnitt.

Pathologisch, zumindest ein wenig, wirds jeweils in Solothurn, wenn es um altes Zeug geht. Wir reden nicht vom Zeughaus. Als mit dem Segen von Kurt Fluri einige Haubitzen auf der Vorstadtschanze auftauchten, gabs einen Sturm. Dem die «Entrüstung» folgte – fast alle Kanonen mussten weg. Nun ist vor dem Baseltor ein unterirdisches Reich wieder entdeckt worden. Nicht den Segen von Kurt Fluri erhält offenbar die zaghafte Idee, das 76 Jahre lang vergessene Gewölbe allenfalls öffentlich zugänglich zu machen. Als ein «Schanze-Museümli» vielleicht. Niemand will dort unten einen Partykeller für Grufti-Bälle oder ein neues Vereinslokal für die Ritter vom Heiligen Grab. Vielleicht wäre das Gewölbe aber ganz nützlich. Als unterirdische Sondermüll-Deponie direkt neben dem Werkhof. Für Krähenkacke, als «Ochsner-Kaverne»? Vergessen wirs. Nein, Statik überprüfen, damit ja kein Lastwagen mehr durchbricht, und zu das Loch! Es könnte sonst noch etwas kosten. Wir verlochen ja gerade Millionen im Hermesbühl und beim Kunstmuseum. Deshalb können wir es uns gar nicht leisten, über das Gewölbe nachzudenken. Doch 2092 bricht vielleicht erneut ein Lastwagen durch, und Solothurn erhält eine zweite Chance. So nach dem Motto: «über Kurt oder lang.»