Kommentar
Eine Frage der Glaubwürdigkeit

SVP-Kantonalpräsident Silvio Jeker will Listenverbindung mit «untragbarem» Pegida-Kandidaten prüfen.

Urs Mathys
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Tobias Steiger (links) macht aus seiner Überzeugung keinen Hehl. (Archiv)

Tobias Steiger (links) macht aus seiner Überzeugung keinen Hehl. (Archiv)

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Ein Dornacher SVP-Ortsparteipräsident, der sich offen mit Rechtsradikalen solidarisiert, weil man ja schliesslich «gemeinsame Interessen» habe. Einer, der nach dem Ertrinken eines eritreischen Asylbewerbers im Rhein auf Facebook folgendes gepostet hat: «Sollen sie mit Gott gehen. Hauptsache sie gehen zurück». Derartiges war vor drei Wochen sogar der kantonalen SVP zuviel: Tobias Steiger musste seinen Parteiaustritt geben. Dafür tritt er nun prompt für die Pegida-Partei, den politischen Arm dieser ausländer- und islamfeindlichen Bewegung, zu den Nationalratswahlen an.

Für ein politisches Amt kandidieren darf hier jeder, der in seinen vollen bürgerlichen Rechten steht, auch Tobias Steiger. Ja, sogar ihn wählen muss in einer Demokratie jeder dürfen, der Steigers menschenverachtende Denkweise teilen kann. Aber soll und darf die SVP, die sich offiziell immer von braunen Suppenkochern distanziert und bei jeder Gelegenheit die hehren Werte der Schweiz besingt, bei den Nationalratswahlen mit einem solchen Mann gemeinsame Sache machen?

Pegida-Kandidat Steiger stellt die kantonale SVP-Leitung vor genau diese Gewissensfrage: Er bietet seinen früheren Gspänli – die ihn eben noch als «völlig untragbar» beschimpft haben – eine Listenverbindung an. Und damit die für die SVP verlockende Aussicht, sich im (ganz) rechten Lager jene Zusatzstimmen zu holen, die am 18. Oktober über Halten oder Verlieren ihres zweiten Nationalratssitzes entscheiden könnten. Einen Sitzverlust riskieren oder «nur» die politische Glaubwürdigkeit verlieren: Die SVP-Spitze hat die Qual der Wahl. @ urs.mathys@azmedien.ch

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