Lüsslingen-Nennigkofen
Eine Dorfidylle auf dem Papier?

Ein 32-seitiges Papier sorgt in Lüsslingen-Nennigkofen für Frustration. Genau genommen sind es bloss zwei Sätze aus dem räumlichen Leitbild, die für Verstimmung sorgen.

Christof Ramser
Christof Ramser
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In der Pfarrschüür wird das Räumliche Leitbild erklärt, das nicht alle Erwartungen der Bevölkerung spiegelt.

In der Pfarrschüür wird das Räumliche Leitbild erklärt, das nicht alle Erwartungen der Bevölkerung spiegelt.

Hanspeter Baertschi

Frustriert ist die Kirschblüten-Gemeinschaft, weil damit ihre ursprünglichen Pläne für die Überbauung Mühlegarten im Papierkorb landen. Zudem berufen sich die Bauherren auf Versprechungen, die der Gemeinderat vor der Fusion betreffend den Mühlegarten abgegeben haben soll.

Auf der anderen Seite sehen Alteingesessene im Leitbild ein Instrument, um den Zuzug weiterer Kirschblütler zu begrenzen. Denn Samuel Widmers Aussagen zum «ehrbaren Inzest», mutmasslichen Einsatz illegaler Drogen in Therapien und zu den gelebten offenen Beziehungen schaden der Akzeptanz der Kirschblüten-Gemeinschaft stark.

Dabei wären Gemeinsamkeiten durchaus vorhanden. Das Dorf wünscht sich einen Laden, der Produkte für den täglichen Gebrauch verkauft. Das kann der Mühlegarten bieten. Auch zur Verdichtung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen könnte dieser beitragen. Doch weil die Gemeinde das Projekt blockiert und die Kirschblütler mit Klagen antworten, wird aus vernünftigen Grundsätzen im Leitbild wohl weiteres Juristenfutter.

Es scheint schier unmöglich, beide Seiten zufriedenzustellen. Trotzdem muss es der Gemeinderat versuchen. Dazu gehört, den Gestaltungsplan Mühlegarten endlich anzupacken. Sonst ist die hehre Dorfidylle, die das Leitbild postuliert, letztlich unglaubwürdiges Geschwätz.

@christof.ramser@azmedien.ch

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