Stadtbummel Grenchen
Ein kultureller Bummel lohnt sich

Durch die Stadt zu bummeln, macht wieder Spass.

Oliver Menge
Oliver Menge
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Der Frühling kommt. Auf dem Märet sind wieder Setzlinge zu kaufen. (Archiv)

Der Frühling kommt. Auf dem Märet sind wieder Setzlinge zu kaufen. (Archiv)

AZ

Auch wenn die aktuellen Temperaturen frühmorgens und die letzten, verregneten Wochenenden noch nicht so richtig darauf hingewiesen haben, ist eines klar: Der Frühling kommt. Auf dem Markt sind Setzlinge, Jungsalat und Spargeln zu haben, die Stadtgärtnerei hat überall in der Stadt Blumenrabatten gepflanzt, auf der Terrasse des Parktheaters entsteht eine Urban-Gardening-Wohlfühloase, Balkone werden überall in der Stadt mit Blumenkästen bestückt und wer einen Garten sein eigen nennt, hat jetzt viel zu tun. Die Beizen haben ihre Aussenbestuhlung ausgemottet, die gewöhnlich verwaisten Bänkli auf dem Marktplatz und am Zeitplatz sind am Mittag stark frequentiert und man konnte vereinzelt sogar schon die ersten Frauen in bauchfreien Tops und kurzen Röcken, und Männer in T-Shirts und kurzen Hosen sehen (!).

Zugegeben, auf heute trifft das alles weniger zu. Und auch nicht auf morgen. Schliesslich ist ja auch Wochenende. Wäre ja zu schön, um wahr zu sein, wenns dann mal nicht regnen würde. Und doch lohnt sich heute Abend ein Bummel – halt unter dem Regenschirm – schwerpunktmässig zwischen Parktheater, dem Kultur-Historischen Museum und dem Eusebiushof, mit einem Abstecher zum Südbahnhof ins Kunsthaus und zur Zwinglikirche. Denn heute wird eine geballte Ladung an Kultur in Grenchen geboten. Die «Blaue Nacht», die Grenchner Kulturnacht, wartet mit zahlreichen Überraschungen, hochkarätigen Darbietungen, Lesungen, Konzerten, Ausstellungen, Theater- und Tanzvorstellungen auf. 26 verschiedene Künstler, Institutionen oder Gruppen treten an 10 verschiedenen Orten auf, meist zwei Mal im Verlauf des Abends. Das Angebot ist von einer grossen Vielfalt, für jedes Alter und jeden Geschmack.

Die Kulturnacht sei insbesondere all jenen ans Herz gelegt, die genug haben vom schlechten Image, welches die Stadt (zu Unrecht) geniesst. Klar, ärgern die zum Teil seit Monaten leeren Ladenflächen und Schaufenster. Klar wurmt es ungemein, wenn «wieder so ein Spinner» Grenchen schweizweit zum Gespött macht. Klar nervt es, wenn sich die lokale Politik unnötige Grabenkämpfe liefert. Doch gerade an der «Blauen Nacht» beweisen Grenchnerinnen und Grenchner, dass der Minderwertigkeitskomplex, der sich immer wieder manifestiert, komplett fehl am Platz ist. Grenchen hat viel zu bieten, zumindest kulturell.