Persönlich
E chli Münz

Urs Moser
Urs Moser
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Zu Coronazeiten gilt: Kontaktlos zahlen. Es fehlen einem die Münzen im Hosensack.

Zu Coronazeiten gilt: Kontaktlos zahlen. Es fehlen einem die Münzen im Hosensack.

Keystone

Vor den Lockdown-Zeiten hätte ich nie gedacht, dass ich sie jemals vermissen könnte. Heute frage ich mich besorgt, wo sind sie wohl alle geblieben? Ich meine die mehr oder weniger sympathischen Zeitgenossen, die uns bevorzugterweise an den Bahnhöfen auflauerten und nach «e chli Münz», einem Ein- oder Zweifränkler fragten. Die ganz dreisten auch mal gleich nach einer Zehnernote – das war aber doch die grosse Ausnahme, die meisten wussten sich zu bescheiden. Auch ihr Geschäft ist mit der Coronakrise eingebrochen. Münz haben wir sowieso keines mehr im Sack, seit wir nur noch kontaktlos bezahlen. Und selbst wenn: Die Regeln des Social Distancing würden uns gebieten, uns die Schnorrer vom Leib zu halten, wenn sie denn noch unterwegs wären.

Im Prinzip könnte man ja von indirekt betroffenen Kleinstunternehmern sprechen. Aber ich befürchte, die wenigsten erreichten vor der Pandemie mit ihrem Geschäft den geforderten Mindestumsatz, um nun an einen Teil der 10 Millionen heranzukommen, die der Kanton für Überbrückungshilfen gesprochen hat.
Ich gebe zu: Zu Prä-Coronazeiten haben sie mich mit ihren schlecht erfundenen Geschichten genervt. Heute rufe ich den armen Kerlen zu: Haltet durch! Wenn wir uns wiedersehen, habe ich «e chli Münz», versprochen.

urs.moser@chmedia.ch

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