Flüchtlinge
Dieser Schuss ging nach hinten los

Um keine Flüchtlinge aufnehmen zu müssen, wollte SVP-Nationalrat Glarner seine Gemeinde freikaufen.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Andreas Glarner

Andreas Glarner

Alex Spichale

Welch ungleiches Duell in der Aargauer Gemeinde Oberwil-Lieli: Hier der einflussreiche Gemeindeammann Andreas Glarner, 53-jährig, «knallharter Politiker», wie der SVP-Nationalrat über sich selber sagt. Gegenüber die unbekannte Sprachstudentin Johanna Gündel, 24, «bisher politisch nie aktiv», wie sie betont.

Da liegt das Bild von David gegen Goliath auf der Hand, doch es stimmt nur auf den ersten Blick. Denn Johanna Gündel brauchte keine besondere List, um den vermeintlich übermächtigen Gegner zu schlagen. Sie machte lediglich von ihrem Recht als Bürgerin Gebrauch und stellte an der Gemeindeversammlung einen Antrag. Noch etwas war nötig: Überzeugung und Engagement. Ohne hätte sie es kaum geschafft, im Dorf innert Wochen eine Mehrheit hinter ihr Anliegen zugunsten der Aufnahme von Flüchtlingen zu bringen.

Das Beispiel Oberwil-Lieli zeigt: Der gern zitierte Stammtisch-Spruch «Die da oben machen ja sowieso, was sie wollen» muss nicht stimmen. Gerade in kleineren Gemeinden mit Gemeindeversammlungen hat jeder Bürger die Möglichkeit, unkompliziert und direkt Einfluss zu nehmen.

In der Niederlage kann sich durchaus auch Andreas Glarner als zweiter Sieger sehen. Erstens hat er das Resultat demokratisch und fair aufgenommen, wie ihm selbst seine Gegner attestieren. Zweitens kann es gerade einem SVP-Politiker nur recht sein, wenn das ebenfalls viel zitierte Volk der «classe politique» hie und da auf die Finger klopft.