Kommentar
Diese Solidarität macht Mut

Eine äthiopische Familie aus Deitingen soll ausgeschafft werden. Das Dorf setzt sich für ihren Verbleib ein.

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Girum Ketsla, seine Frau Emebet Gebeyehu und die zweijährige Tochter

Girum Ketsla, seine Frau Emebet Gebeyehu und die zweijährige Tochter

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

In Deitingen hat sich eine Asylbewerber-Familie beispielhaft in die Dorfgemeinschaft integriert: Er spielt im Fussballverein, sie engagiert sich in der katholischen Kirche. Ihre kleine Tochter ist hier geboren und besucht die Spielgruppe.

Weil das Asylgesuch der Familie abgelehnt wurde, verbünden sich nun Freunde, Nachbarn und Vereine mit der Familie. In wenigen Tagen sind insgesamt zwölf Briefe an die Bundespräsidentin gesendet worden. Es sind rührende Worte, welche die Briefschreiber finden. Worte voller Hoffnung und Mitgefühl. Diese Solidarität ist erstaunlich und ergreifend zugleich. Sie ist ein Lichtblick in einer sonst eher düsteren, belasteten Asyldebatte.

Freilich wird damit ein Einzelfall beleuchtet. Es gibt Tausende Asylsuchende, Tausende Schicksale. Darunter befinden sich auch Familien mit einer ähnlichen Ausgangslage, denen keine Solidarität zukommt. Angesichts der Weltlage wird sich die Asylproblematik jedoch verschärfen. Umso mehr Mut macht der Fall von Deitingen – selbst wenn die Familie letztlich doch gehen müsste. Das Beispiel zeigt: Gehen Einwohner und Asylbewerber offen aufeinander zu, dann ist Integration auch in wenigen Jahren möglich. Normalerweise werden Asylbewerber kaum wahrgenommen. Ihre Schicksale berühren viele nicht. Erhält jemand aus dieser Masse jedoch ein Gesicht, werden aus Asylanten plötzlich Mitmenschen.