Kommentar
Die Türen sind nicht einfach zu

Balz Bruder
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Hinter dieser Tür in Breitenbach fand die Polizei ein totes Ehepaar. (Archiv)

Hinter dieser Tür in Breitenbach fand die Polizei ein totes Ehepaar. (Archiv)

TeleM1

Ein älteres Ehepaar, das einen erweiterten Suizid begeht, er 86, sie 90 Jahre alt. Das war in der vergangenen Woche in Breitenbach. Und nun Gerlafingen. Eine Mutter hat mutmasslich zwei ihrer Kinder getötet. Was sie dazu getrieben haben mag? Es muss eine schwere Not gewesen sein, die sie zum Äussersten trieb. Scheinbar sinnlos, aber nicht grundlos.

Das Einzige, was die beiden Taten verbindet, ist der Tod. Und die Einsamkeit, die Ratlosigkeit, die ihn umgibt. Das war vor Corona so. Und ist es immer noch. Was sich hingegen verändert hat, ist unsere Irritation. Das Sterben ist uns näher gekommen. Im wörtlichen Sinn. Und das macht Angst. Als ob es mit den Menschen, die gehen müssen, weil sie dem Virus zum Opfer fallen, nicht genug wäre. Und die Angehörigen nicht schon an ihre Grenzen führten.

Auch wenn viele Türen zu sind, weil sie zu sein müssen in der Krise: Der Zugang zu den Menschen, die dahinter ihr unsichtbares Leben manchmal gut, manchmal weniger gut und manchmal gar nicht meistern, ist offen. Aber wir müssen uns den Weg zu ihnen bahnen. Unspektakulär und unaufdringlich durch Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Für uns und für die, die in unserer Nähe zuweilen so fern sind, bis uns der Schrecken in die Glieder fährt.

balz.bruder@chmedia.ch

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