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Die Stars des absurden Treks

Die grösste Reality Show aller Zeiten beginnt damit, dass ihre Kandidaten rausfliegen. Und zwar auf den Roten Planeten. «Mars One» nennt sich das Projekt, bis ins Jahr 2025 gesamthaft 24 Auserwählte hochzuschicken

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Mars One Rakete

Mars One Rakete

Mars One / Bryan Versteeg

Für all jene, die mit «Raumschiff Enterprise» gross geworden sind, ist die Vorstellung, in die unendlichen Weiten vorzustossen, exorbitant reizvoll. Auch für jene, die nach einer Jules-Verne-Lektüre mit verklärtem Blick zu den Sternen hochschauen. Nur: Die Stars dieses Treks holt niemand mehr raus, selbst wenn sie ihr Publikum im Untertitel der Show darum bitten. Denn was die Unterhaltungsprofis den immigrierwilligen Marsianern anbieten können, ist nicht mehr als ein Einfachbillett. Mehr liegt einfach nicht drin, zu teuer, sorry!

Und trotz der wenig erfüllenden Berufsperspektive, lebenslang roten Staub zu saugen, fanden sich für das an ein ausgedehntes Erst-April-Scherzchen erinnernde Projekt stattliche 200 000 Männer und Frauen. Wackere Zeitgenossen, die zwar nicht lebens-, aber doch erdenmüde sind. Nach siebenmal sieben sind es noch 100 sozial integre (wirklich?), kerngesunde Kandidaten, die ihren heissen Morgenkaffee gerne auch bei einer Aussentemperatur von minus 60 Grad Celsius schlürfen würden. In einer Kabine, die ein bisschen ausladender ist als ein Wäschetrockner.

Fakt ist: Auch bei der (seriöseren) NASA werden Visionen einer Mars-Reise konkreter. Was aber oft als Argument ins Feld geführt wird: «Wir müssen nach neuem Lebensraum Ausschau halten, bevor es zu spät ist ...» Wie bitte? Warum nicht gleich: «Auf diesem Planeten haben wir ziemlichen Bockmist angestellt. Probieren wirs halt andernorts doch nochmals.» Bei aller Schönheit, die dem Griff nach den Sternen innewohnt, braucht es immerhin noch Vernunft und Bodenhaftung.

Physiker Stephen Hawking warnte letzthin davor, durch gezielte Funkbotschaften potenziell feindlich gesinnte Ausserirdische auf unsere Existenz aufmerksam zu machen. Obschon: Wenn die unser TV-Programm abfangen, werden sie schon bald ein Schild vor unserem Sonnensystem aufstellen: «Bitte grossräumig umfahren!»