Kommentar
Die Stadt Solothurn muss mal

Urinieren im Freien ist strafbar. Aber Massnahmen, dies zu verhindern, werden sträflich vernachlässigt.

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Wer heftig fasnachtet, muss auch mal. (Symbolbild)

Wer heftig fasnachtet, muss auch mal. (Symbolbild)

Oliver Menge

Gestern war wieder so ein Abend. In der Szenebar versumpft und zu Fuss nach Hause. Ein schwaches Viertelstündchen mit starker Blase - geschafft. Und sich nicht strafbar gemacht. Es war auch schon anders. Im Stadtpark ists passiert. Keiner hats gesehn. Und keiner hat gebüsst. Pinkeln auf freier Wildbahn ist ein Deliktchen, dass zum Glück nicht mit Patrouillen auf der Lauer geahndet wird. Denn die Zahl der Gebüssten wäre Legion. Aber möglich wärs.

Deliktchen, aber kein Kavaliersdelikt. Spätestens wenn an Wände oder in Hauseingänge gepisst wird, hört der Spass definitiv auf. Wir sind bei Grossanlässen, insbesondere der bevorstehenden Fasnacht. Und da machen wir eine einfache Rechnung auf: Wenn am Samstagabend gegen 10 000 Leute, meist mit sehr viel Flüssigem intus, in einer engen Altstadt wie Solothurn auf der Gasse verweilen, dann wirds eng mit dem Entleeren der Blase. Nüchtern durchgerechnet: Das kann gar nicht gut gehen. Die paar Beizen-Toiletten und netterweise hübsch verteilten zusätzlichen Toi-Toi-Schüsseln im Stadtkern schlucken nie und nimmer, was an solchen Grossanlässen oben rein geschüttet wird - und unten wieder raus muss. Gerade eine Stadt, die auf ihre Festkultur stolz ist und auch liberal mit ihr umgeht, sollte in diesen Bereich investieren. Und klotzen statt kleckern. Eine grössere, bei Festanlässen zentral aufgebaute Latrine – jedes bayrische Bierfest machts vor – würde schon viel Druck auf Fassaden und Eingänge wegnehmen. Die Stadt kann ja einen Teil der Investitionskosten als Miete an Grossveranstalter abwälzen. Und diese auch zur Miete verpflichten. Geordnetes Pissen ist ein Grundrecht. Aber mit Bussen definitiv nicht herbeizuführen.

wolfgang.wagmann@azmedien.ch