Kommentar
Die SP-Spitze sägt am Stuhl von Stadtrat Peter Schafer

Die SP-Spitze sägt am Stuhl des bisherigen Stadtrats, welchen die Parteibasis mit dem Hackbeil der Nichtnomination zu Fall bringen könnte. Viele rechneten anscheinend damit, dass sich Schafer nach vier Legislaturen selbst aus dem Rennen nehmen würde.

Fabian Muster
Fabian Muster
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Die drei SP-Anwärter für den Oltner Stadtrat - Thomas Marbet, Peter Schafer und Marion Rauber.

Die drei SP-Anwärter für den Oltner Stadtrat - Thomas Marbet, Peter Schafer und Marion Rauber.

Oltner Tagblatt

Die Oltner SP-Parteileitung sucht nach weiteren Stadtrats-Papabili, obwohl mit Thomas Marbet und Peter Schafer zwei Bisherige die beiden Sitze verteidigen wollen und die Parteibasis entschieden hat, nur mit einem Zweierticket anzutreten. Mit Marion Rauber hat man nun eine weitere Anwärterin gefunden, die es im parteiinternen Nominationsverfahren mit den zwei Bisherigen aufnehmen kann, ohne von vornherein gleich auf verlorenem Posten zu stehen. Zudem sollen weitere Leute angefragt worden sein.

Ein Vorgehen, bei dem sich die Parteispitze Fragen gefallen lassen muss: Sollen so die beiden Bisherigen leichtfertig mit ihrem Bonus aufs Spiel gesetzt werden? Muss man das als Misstrauensvotumgegenüber Marbet und Schafer auffassen? Wirft eine mögliche Nichtnomination eines Bisherigen nicht ein schlechtes Licht auf die Partei? Die Geschäftsleitung wiegelt ab und sieht das nicht so, sondern erklärt, dass es grundsätzlich allen Mitgliedern möglich sei, sich für ein Stadtratsmandat zu melden.

Mit Verlaub: Hier spielt die SP-Spitze nicht mit offenen Karten. Wer sich in der Partei umhört, erkennt, worum es eigentlich gehen könnte: Die Parteileitung versucht das interne Nominationsverfahren als Mittel zu nutzen, um den nicht mehr genehmen Peter Schafer loszuwerden. Die SP-Spitze sägt so am Stuhl des bisherigen Stadtrats, welchen die Parteibasis mit dem Hackbeil der Nichtnomination zu Fall bringen könnte. Viele rechneten anscheinend damit, dass sich Schafer nach vier Legislaturen selbst aus dem Rennen nehmen würde.

Das Vorgehen der SP-Spitze ist einem verdienten Mitglied nicht würdig. Hier schafft es die Partei nicht, Peter Schafer reinen Wein einzuschenken: Entweder man steht ohne Wenn und Aber hinter dem bisherigen Stadtrat und lässt ihn sicher nochmals kandidieren, notfalls auch auf einem Dreierticket. Oder man macht ihm von Anfang an klar, dass es politisch für ihn keine Zukunft mehr gibt. Alles andere ist unfair.

fabian.muster@azmedien.ch

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