Kommentar
Die Schnürsenkel als Lehrbeispiel

Runterfahren war einfacher als wieder hochfahren: Das merkt der Bundesrat gerade schmerzlich.

Doris Kleck
Doris Kleck
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Die Detailhändler dürfen ihr Sortiment nun doch nicht erweitern. Der Bundesrat hat am Mittwoch seine Meinung dazu geändert.

Die Detailhändler dürfen ihr Sortiment nun doch nicht erweitern. Der Bundesrat hat am Mittwoch seine Meinung dazu geändert.

Christof Hirtler

Am Anfang, da war die Krise, die Angst, die Kritik stumm. Nun erwacht das Land aus der Schockstarre, der Wettbewerb der Parteien ist lanciert, die Parlamentskommissionen mischen mit und der Bundesrat ist damit stärker gefordert, vor allem auch im Erklären seiner Massnahmen.

Gewiss: Der Bundesrat hat in dieser Krise vieles richtig gemacht. Kommunikativ gestolpert ist er aber mindestens dreimal: Bei den Masken, bei den Kindern und ausgerechnet bei den ersten zögerlichen Öffnungsschritten. Letzte Woche kündigte der Bundesrat an, die Sortimentsbeschränkungen bei den Grosshändlern aufzuheben. Was sie genau verkaufen dürfen, liess er offen. Berset sprach Tage später von Schnürsenkeln, seine Kritiker von Büchern und Kleidern.

«Wettbewerbsverzerrung!», wetterten die kleinen Detaillisten. Zu Recht. Es war eine gut gemeinte Geste, aber sie war nicht zu Ende gedacht und vor allem nicht richtig kommuniziert. Sie war eine Steilvorlage für all jene Kantone und Politiker, die gleich alle Läden öffnen und nicht bis zum 11. Mai zuwarten wollten. Das Gegenteil von dem ist eingetroffen. Der Bundesrat ist zurückgekrebst. Die Sortimentsbeschränkung bleibt bestehen. Es mag ein Detail sein, aber die Geschichte zeigt zweierlei. Wie blank die Nerven nach diesem Stillstand liegen. Und wie wichtig eine saubere Kommunikation ist.

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